"Frankfurter Rundschau" driftet weiter in Richtung Abgrund

Investor Akbay will Nein des Gläubigerausschusses ignorieren

Die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg hat die Mehrheit an der Zeitung "Frankfurter Rundschau" erworben. (AP)
Die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg hat die Mehrheit an der Zeitung "Frankfurter Rundschau" erworben. (AP)

Die Schlacht um die "Frankfurter Rundschau" geht weiter. Ungeachtet der Ablehnung durch den Gläubigerausschuss will der türkische Verlag Estetik Yayincilik im Rennen bleiben. Die meisten der 450 Beschäftigten können daraus allerdings kaum Hoffnung schöpfen.

Verlagschef Burak Akbay ließ seinen Sprecher ankündigen, es werde ein neues, verbessertes Angebot für das insolvente Blatt geben. Man sei weiter am Erwerb der gesamten Frankfurter Rundschau (FR) interessiert und gehe davon aus, letztlich auch zum Zug zu kommen. Die Planungen mit den Kooperationspartnern des Verlags seien weit fortgeschritten.

Dass das Ansinnen allerdings tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Zur Begründung der Ablehnung des Angebots aus Istanbul hatte die Insolvenzverwaltung mitgeteilt, die FR-Gläubiger halten das Konzept für nicht tragfähig. Außerdem sei der Kaufpreis deutlich zu niedrig, die angebotenen Sicherheiten für die Zahlung seien zudem nicht ausreichend. Eine neue Chance werde es nicht geben: "Die Gläubiger würden sich mit einem eventuellen neuen Angebot gar nicht beschäftigen", bekräftigte der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Ingo Schorlemmer, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Akbay warf der Insolvenzverwaltung vor, eine eigene Agenda zu verfolgen.

FAZ würde lediglich 28 Redakteure übernehmen

Einzige verbleibende Interessentin wäre damit die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Bekäme sie den Zuschlag, würde das bedeuten, dass Hunderte Beschäftigte der Traditionszeitung den Verlag verlassen müssten, denn die FAZ will lediglich 28 Mitarbeiter aus der Redaktion übernehmen. An der verlagseigenen Druckerei ist sie nicht interessiert.

Bis Ende Februar muss eine Entscheidung fallen. Abhängig ist diese auch vom Votum des Bundeskartellamtes, das das FAZ-Angebot unter die Lupe nimmt. Die Wettbewerbshüter wollen klären, ob der FR-Marktanteil bei einem Verschwinden vom Markt ohnehin an die FAZ fallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Käufer für die "Rundschau" gibt. Bislang sei nichts entschieden, sagte Amtssprecher Kay Weidner. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Prüfung rechtzeitig abgeschlossen werde.

Möglicherweise ist Ende Februar Schluss

Insolvenzverwalter Frank Schmitt warnte vor übertriebener Hoffnung. "Lehnt das Kartellamt eine Übernahme ab, bin ich gezwungen, die Verlagstätigkeit zum Ende des Monats Februar einzustellen", heißt es in einem Rundschreiben an die FR-Mitarbeiter.

Unklar sind auch die Auswirkungen auf den Berliner Verlag. Seit 2011 wird dort der Mantelteil (das sind vor allem die ersten, überregionalen Seiten einer Zeitung) gemeinsam mit dem der Berliner Zeitung von einer Redaktionsgemeinschaft produziert. Das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg als Eigentümer von Berliner Zeitung und FR hatte Ende November mitgeteilt, der gemeinsame Redaktionspool von 27 Autoren werde bei einem Wegfall der Zusammenarbeit etwa auf die Hälfte verkleinert.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr