Frei.Wild verlieren Echo-Nominierung

Kritiker werfen Südtiroler Band rechtsradikales Gedankengut vor

Die Band Frei.Wild ist nicht mehr für den Echo nominiert (picture alliance / dpa / Holger Fichtner / 360graddesign.com)
Die Band Frei.Wild ist nicht mehr für den Echo nominiert (picture alliance / dpa / Holger Fichtner / 360graddesign.com)

Die Nominierung der umstrittenen Band Frei.Wild sorgte im Vorfeld der Echo-Verleihungen für reichlich Wirbel: Mehrere andere Bands protestierten und sagten ihre Auftritte ab. Jetzt hat die Deutsche Phono-Akademie die Nominierung von Frei.Wild zurückgezogen, die Wettbewerbsregeln sollen geändert werden.

"Wir werden unsere Nominierungskriterien rasch überarbeiten, um mit solchen Fällen in Zukunft klarer umgehen zu können", erklärte Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, dem auch der Echo-Veranstalter Deutsche Phono-Akademie angehört. Die konkreten Veränderungen würden in den kommenden Wochen mit dem Vorstand erörtert. Zuvor hatte die Echo-Nominierung der Band Frei.Wild für einen Skandal gesorgt. Der Band wird vorgeworfen, in ihren Liedern völkisches und nationalistisches Gedankengut zu verbreiten. Daraufhin hatten die Chemnitzer Band Kraftklub und die Berliner Elektro-Popgruppe MIA. ihre eigene Teilnahme am Echo-Rennen abgesagt. Auch die Band Die Ärzte protestierte.

Die Nominierungen für den Musikpreis bestimmen sich nach den Verkaufszahlen der jeweiligen Gruppen. Frei.Wild hatte im vergangenen Jahr eines der bestverkauften Rock/Alternative-Alben veröffentlicht: "Feinde deiner Feinde" verkaufte sich 2012 mehr als 100.000 Mal. Frei.Wild war zusammen mit MIA., Kraftklub, Unheilig und den Ärzten für einen Echo in der Kategorie "Rock/Alternative National" nominiert worden.

Echo-Veranstalter wollte "rasch ein Zeichen setzen"

Mit dem Ausschluss der umstrittenen Band hat die Phono-Akademie eigenen Angaben zufolge in ihre Regularien eingegriffen. "Das war eine besondere Situation und insofern ein Novum in der bisherigen Echo-Vergabe", sagte Drücke. "Uns war wichtig, möglichst rasch ein Zeichen zu setzen." Der Echo wird am 21. März in Berlin verliehen.

Auf ihrer Homepage beschreibt sich die 2001 gegründete Gruppe Frei.Wild als "Musikphänomen und Gegenkultur". Ihre Songs kreisen um Alltagsthemen, aber auch um die Südtiroler Heimat. In einem Text heißt es zum Beispiel: "Südtirol, sind stolze Söhne von dir. Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her."

Grenzen zwischen Rechtsrock und Identitätsrock sind fließend

Für den deutschen Rechtsextremismus-Experten Thomas Kuban ist die Grenze zwischen eindeutigen Neonazi-Bands und Identitätsrock-Bands fließend. Die Botschaften von Frei.Wild kämen in den einschlägigen Neonazi-Kreisen jedenfalls gut an, so Kuban im österreichischen Radiosender FM4.

Bands wie Frei.Wild verkörperten sehr erfolgreich die Weigerung, sich irgendetwas vorschreiben zu lassen, erklärte "Spiegel"-Musikredakteur Tobias Rapp im Deutschlandradio Kultur. Das sei ihr Erfolgsmodell "und nicht so sehr tatsächliche echte Inhalte".

Unterdessen kündigte die NPD an, eine Mahnwache vor Ort bei der Echo-Verleihung abzuhalten. Die Nominierung orientiere sich eigentlich an den Verkaufszahlen und nicht an dem Druck "politischer Gesinnungswächter", verkündete die Partei in einer Mitteilung. "Damit wird die gesamte Veranstaltung zu einer Art Nordkorea im Musikgeschäft."

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr