Freilassung von zur Steinigung verurteilter Iranerin unklar

Widersprüchliche Angaben zum Fall Sakineh Aschtiani

Fotos des staatlichen iranischen Fernsehens: Sakineh Aschtiani in ihrem Haus in Osku. (AP)
Fotos des staatlichen iranischen Fernsehens: Sakineh Aschtiani in ihrem Haus in Osku. (AP)

Nachdem die Sprecherin des Internationalen Komitees gegen Steinigung Donnerstagabend mitgeteilt hatte, dass Sakineh Aschtiani freigelassen worden sei, ist nun unklar, ob das wirklich der Fall ist. Das staatliche iranische Fernsehen dementierte.

Der staatliche iranische Fernsehsender Press TV widersprach dem Internationalen Komitee gegen Steinigung, das gestern mitgeteilt hatte, dass Sakineh Mohammadi Aschtiani auf freien Fuß gesetzt worden sei. Der englischsprachige Sender berichtet auf seiner Homepage, dass die zum Tode verurteilte Aschtiani nicht aus dem Gefängnis entlassen wurde. Gestern hatte der Sender Fotos veröffentlicht, die Aschtiani und ihren Sohn außerhalb des Gefängnisses zeigten. Sie sind aber offenbar vergangene Woche während eines Freigangs entstanden. Press TV teilte nun mit, dass ein Kamerateam Aschtiani in ihr Haus begleitet hatte, um dort den Mord an ihrem Ehemann nachzustellen.

Die 43-Jährige war 2006 zum Tod durch Steinigung verurteilt worden - wegen der angeblichen Verwicklung in den Mord an ihrem Ehemann und mehrfachen Ehebruchs. 2007 wurde die Todesstrafe wegen Ehebruchs bestätigt, die Verurteilung wegen Mords jedoch in zehn Jahre Haft umgewandelt.

Der Fall Sakineh Aschtiani hatte weltweit Proteste ausgelöst. Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime zeigte sich im Deutschrandfunk-Interview vor einem Monat überzeugt, dass der westliche Druck die seit fünf Jahren Inhaftierte im Iran moralisch unterstützt. Außerdem begrüße ein Großteil der Bevölkerung Irans eine westliche Einmischung.

Internationale Proteste gegen Todesurteil


Iranische Demonstranten demonstrieren vor dem Rat der Europäischen Union gegen die Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani. (AP)Iraner demonstrieren im November vor dem Rat der Europäischen Union gegen die Steinigung von Aschtiani. (AP)Der Exil-Iraner Daryush Shokof sieht im Fall Aschtiani ein Ablenkungsmanöver. Der Iran lenke die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gezielt auf eine einzelne Person, damit nicht über andere Aspekte iranischer Politik berichtet wird, sagte er im Deutschlandfunk vor einigen Monaten.

Der Publizist Navid Kermani sieht in Hinrichtungen im Iran ein "Herrschaftsinstrument". "Es soll demonstrieren, welche Art von Repression, welche Art von Religion" herrscht, sagte Kermani im Deutschlandfunk.

Teheran hält seit dem 10. Oktober zudem zwei deutsche Journalisten gefangen, weil diese sich für die Geschehnisse um Sakineh Aschtiani interessierten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr