Freispruch für Jörg Kachelmann

Urteilsverkündung im Vergewaltigungsprozess

Jörg Kachelmann im Landgericht Mannheim (picture alliance / dpa)
Jörg Kachelmann im Landgericht Mannheim (picture alliance / dpa)

Acht Monate lang wurde in einem aufsehenerregenden Prozess in Mannheim über den Vorwurf verhandelt, der Schweizer Wettermoderator habe seine frühere Freundin vergewaltigt. Jetzt befanden die Richter, Kachelmann sei unschuldig.

Der Spruch des Vorsitzenden Richters Michael Seidling war mit großer Spannung erwartet worden. Der Anwalt des mutmaßlichen Opfers und die Staatsanwaltschaft gaben zu, die Indizien - jeweils einzeln betrachtet - könnten für einen Schuldspruch wie für einen Freispruch gewertet werden. Kachelmanns Exfreundin wirft dem 52-Jährigen vor, er habe sie nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht und vergewaltigt.

Jetzt befanden die Richter, die Indizien reichten nicht für eine Verurteilung. Für die Zeit in der Untersuchungshaft wird Kachelmann entschädigt. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Verteidigung verlangte Freispruch

Die Verteidigung des TV-Moderators Kachelmann plädierte vergangene Woche auf Freispruch. Pflichtverteidigerin Andrea Combé erklärte, die Vorwürfe der Ex-Freundin Kachelmanns seien eine bewusste Falschanschuldigung. Es gebe keine objektiven Beweise dafür, dass in der Nacht zum 9. Februar 2010 eine Vergewaltigung stattgefunden habe. Das Motiv für die Klage sei die Rache dafür, dass Kachelmann Beziehungen auch zu anderen Frauen gehabt habe und sich von ihr getrennt habe.

Auch der von Kachelmann beauftragte Anwalt Johann Schwenn hatte einen Freispruch für Kachelmann gefordert und beantragte eine Entschädigung für die Untersuchungshaft, die Durchsuchungen und Beschlagnahmen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten beantragt - wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Körperverletzung.

Die Journalistin Alice Schwarzer gibt Journalisten vor dem Landgericht in Mannheim, in dem der Prozess gegen den wegen des Verdachts der Vergewaltigung angeklagten Meteorologen Jörg Kachelmann stattfindet, ein Interview. (AP)Alice Schwarzer berichtete für den Springer Verlag vom Prozess. (AP)

Vorverurteilung in den Medien?

Eine Besonderheit des Verfahrens ist die zum Teil unverhohlene Parteinahme gegen den Angeklagten Kachelmann in den Medien. Insbesondere der Publizistin und Feministin Alice Schwarzer wurde Parteilichkeit für die Nebenklägerin vorgeworfen. Das Urteil der Öffentlichkeit im Fall Kachelmann stehe in bestimmter Hinsicht bereits vor Prozessende fest, sagte die "Spiegel"-Reporterin Gisela Friedrichsen im Deutschlandradio Kultur: "Diese Menschen, die mal so vorgeführt werden, die sind ruiniert in gewisser Weise", sagt sie in Bezug auf Kachelmann und den vergleichbaren Fall des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn.

Auch der Anwalt Martin W. Huff, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln, sprach im Deutschlandfunk im Zusammenhang mit dem Verfahren gegenJörg Kachelmann von einer massiven Beeinflussung der Öffentlichkeit durch die Ankläger und die Verteidigung. Darum sei es für den Richter besonders schwer, ein faires Urteil zu fällen. Huff hofft, "dass die Richter sich von diesen Äußerungen beider Seiten freimachen können." Eine ähnliche Parteinahme in einem Prozess habe es nur im Fall der getöteten Kinder von Monika Böttcher-Weimar vor gut 15 Jahren gegeben.

Hans Leyendecker von der "Süddeutschen" sagte im Deutschlandfunk , dass angesichts der teilweise parteiischen Berichterstattung zum Prozess die Gerichtsreportage zum "Schmuddelkind" verkommen sei.

Die Öffentlichkeit war weitestgehend von der Beweisaufnahme ausgeschlossen worden, um die Intimsphäre der Klägerin, des angeklagten Wettermoderators und zahlreicher Kachelmann-Ex-Geliebten zu schützen. Das wird es wohl schwierig machen, die Entscheidung der Richter nachvollziehen zu können.


Links zum Thema:
Verteidigung fordert Freispruch - Für eine Vergewaltigung gebe es keine Beweise (Dradio Aktuell)
"Menschen, die so vorgeführt werden, sind ruiniert" - "Spiegel"-Gerichtsreporterin über den Fall Kachelmann und das heutige Plädoyer der Staatsanwaltschaft (Interview, DKultur)
"Natürlich lesen Richter die Berichte über die Prozesse" - Rechtsanwalt Huff über die Medienbegleitung des Kachelmann-Prozesses (Interview, DLF)
Im Namen der Öffentlichkeit - Der Fall Kachelmann und die Medien (Hintergrund, DLF)

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr