Friede, Freude und deutliche Kritik

Der Friedensnobelpreis für die EU ruft auch Kritiker auf den Plan

Von Tim Krohn, ARD-Studio Stockholm

Der Friedensnobelpreis für die EU wird besonders von Friedensorganisationen kritisiert. (dpa / Arno Burgi)
Der Friedensnobelpreis für die EU wird besonders von Friedensorganisationen kritisiert. (dpa / Arno Burgi)

Die Bundesregierung wertet den Friedensnobelpreis als "eine Ermutigung für Europa". Friedensorganisationen halten die Entscheidung der Jury jedoch für fragwürdig. Die Frage sei, ob die Union heute überhaupt noch Frieden schaffe.

Die Mitgliedsstaaten der EU hätten demonstriert, wie man durch klar definierte Ziele und den Aufbau von Vertrauen Feindschaften überwinden kann.

Der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Thorbjörn Jagland, erinnerte dabei besonders an die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen:

"Heutzutage wäre ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Historische Feinde können enge Partner werden. Der Fall der Berliner Mauer hat es dann auch den osteuropäischen Ländern ermöglicht, der EU beizutreten. Sie haben damit eine neue Ära europäischer Geschichte eröffnet."

Thorbjörn Jagland ging in seiner Begründung auch auf die derzeitigen Probleme der EU ein, sprach von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und sozialen Unruhen. Aber:

"Das norwegische Nobel-Komitee möchte den Blick zurücklenken auf das, was sie als größten Erfolg der Europäischen Union ansieht: Der wichtige Kampf für Frieden, Demokratie und Menschenrechte."

Die Beobachter in Oslo waren doch einigermaßen überrascht heute von der Wahl des Nobel-Komitees. Zwar taucht der Name der Europäischen Union seit Jahren immer wieder auf den Kandidatenlisten auf, aber dass man gerade jetzt dieses abstrakte Gebilde EU auszeichnet – damit haben nur wenige gerechnet. Prompt war die Entscheidung verkündet, gab es auch schon die erste Kritik. Zum Beispiel von Kristoffer Bernett-Cargill von der ältesten Friedensorganisation der Welt, der schwedischen SPAS:

"Das Komitee überrascht ja gerne mal. Ich finde, dies ist doch ein sehr zweifelhafter Beschluss. Anfänglich gab es in der EU sicher einen Friedensgedanken. Aber die Frage ist doch, ob die Union in Europa heute Frieden schafft oder nicht."

Das Nobel-Komitee in Oslo hat mit seiner Entscheidung offenbar ganz bewusst politisch gehandelt. Das ist auch in Norwegen selber umstritten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr