Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Liao Yiwu

Chinesischer Autor kritisiert Regierung in Peking

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ist mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. (picture alliance / dpa /  Wolfgang Kumm)
Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ist mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Der chinesische Autor Liao Yiwu ist mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede übte der 54-Jährige scharfe Kritik an der chinesischen Führung. Liao lebt seit einem Jahr im Exil in Deutschland.

"Dieses Imperium muss auseinanderbrechen", sagte Liao in der Frankfurter Paulskirche. Das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 habe das Schicksal des Landes besiegelt. Die blutige Unterdrückung von Dissidenten, Kirchen, Tibetern und vielen anderen in China halte an. Zugleich griff Liao westliche Firmen an, die Handelsbeziehungen zu China unterhalten. Die Konzerne machten unter dem Deckmantel des freien Handels "mit den Henkern gemeinsame Sache". Es sei ein Irrtum zu glauben, dass der wirtschaftliche Aufschwung Chinas zwangsläufig zu Reformen führe.

Der Vorsitzende der Akademie Deutscher Buchpreis, Gottfried Honnefelder, lobte den Autor als "unbeirrbaren Chronisten für die Verstoßenen des modernen China". Dieser setze in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Die Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg bescheinigte dem Preisträger in ihrer Laudatioeine tiefe Verbundenheit zu China, seinen Menschen und Traditionen. Liaos Gefängnistagebuch "Für ein Lied und hundert Lieder" sei ein atemloser Balanceakt entlang der Schmerzgrenze.

Chinesische Truppen am 5. Juni 1989, dem Morgen nach dem Massaker, auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. (AP)Chinesische Truppen am 5. Juni 1989, dem Morgen nach dem Massaker in Peking. (AP)

Eine Stimme für die Opfer

Der Autor hatte vier Jahre in seiner Heimat in Haft verbracht, weil er ein Gedicht über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking im Jahr 1989 veröffentlicht hatte. Sein jüngstes Buch "Die Kugel und das Opium" widmet der Autor den Opfern dieses Aufstandes.

Über seine eigene Rolle schreibt Liao darin, er sei vor den Ereignissen im Juni 1989 ein Dichter gewesen, der gegen die Tradition rebellierte, besessen davon sich "herumzutreiben, zu prügeln, die Nacht zum Tage zu machen und viel Unsinn zu reden". Doch dann sei er für seine Gedichte bestraft worden. "Meine romantische Dichterhaut ist mir bei lebendigem Leibe abgezogen worden."

Seine Bücher stehen auf dem Index

Liao Yiwu floh im Juli 2011 nach Deutschland. Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur sagte er damals, er habe bislang die Freiheit, in Ruhe und kontinuierlich zu schreiben, nicht gehabt. Die grausamen Erlebnisse in Chinas Gefängnissen seien für ihn auch eine Ressource, eine Quelle für Mut und Kraft. In seinem Heimatland sind seine Bücher verboten. Deshalb sei Liao Yiwu einer breiteren Öffentlichkeit gar nicht bekannt, berichtet die ARD-Korrespondentin in Peking, Ruth Kirchner.

Der Friedenspreis des Buchhandels ist mit 25.000 Euro dotiert. Er wird seit 1950 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vergeben. Der Börsenverein ehrt damit Persönlichkeiten, die sich besonders in Literatur, Wissenschaft und Kunst für den Frieden einsetzten. Im vergangenen Jahr wurde der algerische Autor Boualem Sansal ausgezeichnet.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr