Früherer Papst-Kammerdiener gesteht im Vatileaks-Prozess

Paolo Gabriele gibt Dokumentendiebstahl zu

Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele hat im Vatileaks-Prozess gestanden. (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)
Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele hat im Vatileaks-Prozess gestanden. (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Seit Anfang des Jahres waren immer wieder brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt. Im Prozess um den Vatileaks-Skandal hat der Beschuldigte nun gestanden. Dem früheren Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, drohen vier Jahre Haft.

Paolo Gabriele hatte bereits vor Prozessbeginn zugegeben, dass er brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gegeben hatte. Nun hat der frühere Kammerdiener von Benedikt XVI. seine Taten auch vor dem päpstlichen Gerichtshof in Rom gestanden.

Gabriele erklärte vor dem Tribunal, er habe vertrauliche Papiere kopiert und weitergegeben. Das berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter nach der Verhandlung. "Was den schweren Diebstahl betrifft, fühle ich mich nicht schuldig", schränkte er ein. "Aber ich fühle mich schuldig, das Vertrauen missbraucht zu haben, das der Heilige Vater in mich gesetzt hatte." Er habe keine Mittäter gehabt, sagte der Angeklagte. Darüber war vielfach spekuliert worden.

Papst Benedikt XVI. feiert in Erfurt eine Messe am Dom (dpa / Eckehard Schulz)Erschüttertes Vertrauen: Papst Benedikt XVI. (dpa / Eckehard Schulz)

Interna aus Bankgeschäften

Seit Anfang des Jahres waren immer wieder brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, unter anderem ging es um Geschäfte der Vatikan-Bank. In der Privatwohnung des Beschuldigten hatten die Ermittler kistenweise Dokumente gefunden, dazu ein Goldstück und einen wertvollen Scheck. Die Unterlagen stammen vom Schreibtisch Benedikts XVI., so der Verdacht des vatikanischen Tribunals. In Anlehnung an die Enthüllungsplattform Wikileaks im Internet hatten Journalisten den Fall "Vatileaks" getauft.

Gabriele könnten bis zu vier Jahre Haft erwarten, wenn das Gericht die Vorwürfe bestätigt - er hätte dann schweren Diebstahl begangen. Selten sind derart gravierende Anschuldigungen gegen einen so engen Vertrauten des Papstes erhoben worden. Gabriele half Benedikt beim Anziehen, bediente ihn bei den Mahlzeiten und war sein Reisebegleiter.

Lex Vaticana

Deutschlandradio Kultur-Korrespondent Stefan Troendle hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass Gabriele tatsächlich ins Gefängnis muss. Er gehe davon aus, dass der Papst als Staatsoberhaupt seinen ehemaligen Diener nach einer Verurteilung begnadige, erklärte Troendle im Deutschlandradio Kultur.

Der Prozess wird nach vatikanischem staatlichen Recht ablaufen. Das bedeutet: Die drei Richter sind keine Geistlichen, sondern italienische Juristen. Weil es im Gerichtssaal recht eng zugeht, gibt es dort allerdings nur acht Plätze für die Presse. Wann es ein Urteil gibt, ist nach Einschätzung des vatikanischen Staatsanwaltes offen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr