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Für den Zaren und für Putin

Das Comeback der Kosaken

Von Gesine Dornblüth

Kosaken am Bahnhof Belorussky in Moskau. (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)
Kosaken am Bahnhof Belorussky in Moskau. (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)

Bei uns tauchen sie gerade um Weihnachten herum auf den Bühnen auf: Die "Don-Kosaken" mit ihren traditionellen Kostümen und Gesängen. In Russland kann man sie immer öfter auch auf der Straße sehen. Derzeit gründet sich sogar eine Partei der Kosaken.

Das Nahkampftraining beginnt mit einem Gebet. Dmitrij Nenarokov, ein kleingewachsener Mann in Camouflage, verneigt sich vor einer Ikone. Ein Dutzend junger Leute tun es ihm nach.

Nenarokov ist Priester der russisch-orthodoxen Kirche, Trainer an einer Sportschule des russischen Geheimdienstes FSB - und Kosak. Als solcher bildet er in Moskau und Umgebung 130 Freiwillige im Nahkampf aus:

"Es gibt zurzeit Kräfte, die gegen uns, gegen Russland, arbeiten. Sie wollen Russland in Anarchie stürzen, und dann ihre eigene Ordnung errichten, die Eliten austauschen, das Eigentum umverteilen. Das führt unweigerlich zum Bürgerkrieg. Da wird Blut fließen. Ich werde mit aller Kraft gegen die Anarchie kämpfen. Und nicht nur ich, sondern alle Kosaken."

Er meint unter anderem die Demonstranten, die seit einem Jahr mit weißen Bändern demokratische Reformen fordern.
Das Training ist hart. Zum Aufwärmen 20 Liegestütze. Auf Fingerspitzen. Dann folgt der Nahkampf, Mann gegen Mann, mit Messern.

Mit einem Lächeln im Gesicht führt der Priester die Klinge quer über den Hals des Gegners, rammt sie ihm scheinbar in die Seite, zum Schluss scheinbar in den Rücken. Gehorsam machen die Jugendlichen die Bewegungen nach - mit Imitaten aus Holz.

"Die Kosaken bilden keine Nationalität. Ein Kosak ist, wer zu selbstlosen Heldentaten bereit ist, um den orthodoxen Glauben, das Vaterland und alles Heilige zu schützen."

Dem Staat kommen die konservativ-patriotischen Kosaken gerade recht. Er spannt sie immer stärker für seine Zwecke ein.
Knapp eine Million Menschen haben sich in ein staatliches Kosaken-Register eingetragen. Die Aufnahme ist einfach: Man muss volljährig sein, die Ideen der Kosaken teilen und ein Kreuz küssen. Gleichzeitig verpflichten sich die Kosaken zum Dienst für den Staat. In der russischen Armee gibt es bereits eigene Kosakenheere.

Seit einem Jahr patrouillieren Männer in Kosakenuniformen vor einigen Moskauer Bahnhöfen und Metrostationen, vertreiben dort illegale Straßenhändler. Präsident Putin hat im Herbst angeordnet, eine "Strategie für den Umgang mit den Kosaken bis 2020" zu entwickeln. Im Gespräch ist, dass Kosaken Kindergärten, Schulen und Kasernen bewachen sollen.

Doch längst nicht alle Kosaken finden das gut. Denn außer den im staatlichen Register eingetragenen gibt es noch die, wie sie sagen, "echten" Kosaken. Sie sind in Kosakendörfern groß geworden und pflegen die Traditionen ihrer Vorfahren in eigenen Gemeinden, beten gemeinsam, treffen sich an den Feiertagen. Andrej Schalnow ist Sprecher einer Moskauer Kosaken-Gemeinde. Von den Patrouillen hält er nichts:

"Mit den Patrouillen ist es doch so: Der Staat gibt denen Arbeit, die sonst nichts zu tun haben. Ich zum Beispiel bin Unternehmer. Warum sollte ich auf irgendwelchen Straßen patrouillieren? Das ist doch totaler Unsinn. Die Kosaken werden als Marke missbraucht. Wir sind dagegen."

Schalnow sagt, er sei unpolitisch. Die meisten Kosaken aber sagen offen: Sie wollen am liebsten den Zaren zurück. So wie Anna Ukolowa, auch sie Mitglied einer Kosaken-Gemeinde:

"Wir haben kein Glück mit unseren Führern, mit dem Präsidenten. Er kümmert sich überhaupt nicht um uns. Der Zar dagegen war immer fürs Volk da."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

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