Gasprom dreht Ukraine den Gashahn zu

Preisstreit zwischen Moskau und Kiew schwelt weiter

Sibirische Gaspipeline: 1000 Kubikmeter Erdgas sollen der Ukraine künftig 230 Dollar kosten. (Wintershall AG)
Sibirische Gaspipeline: 1000 Kubikmeter Erdgas sollen der Ukraine künftig 230 Dollar kosten. (Wintershall AG)

Nach dem Scheitern der russisch-ukrainischen Verhandlungen hat der Gasprom-Konzern heute die Gaslieferungen in das Nachbarland eingestellt. Dies teilte ein Sprecher in Moskau mit. Andere europäische Staaten würden allerdings weiter per Leitung über ukrainisches Gebiet versorgt. Das ukrainische Unternehmen Neftegas widersprach dieser Darstellung und erklärte, der Lieferstopp könne auch Auswirkungen auf Westeuropa haben. Die Versorgung der eigenen Industrie und der Privathaushalte sei aber weiter gesichert, hieß es.

Bereits am Neujahrsmorgen hatte die Gasprom-Unternehmensführung die Anweisung gegeben, den Druck in der Pipeline herunterzufahren. Begründet wurde dies damit, dass die Regierung in Kiew einen Kompromiss des russischen Präsidenten Putin nicht angenommen habe. Dieser hatte zuletzt angeboten, dass der Ukraine für weitere drei Monate die bisherigen Lieferkonditionen erhalten bleiben sollten. Im Gegenzug müsse sich Kiew aber bereit erklären, von April an Weltmarktpreise zu bezahlen. Gasprom plant eine Erhöhung von bisher 50 auf 230 Dollar für je 1.000 Kubikmeter Erdgas. Von ukrainischer Seite hieß es, man akzeptiere grundsätzlich einen Übergang zu marktgerechten Preisen. Über die konkreten Zahlen müsse man sich aber noch verständigen.

Ein Sprecher des russischen Gasprom-Konzerns erklärte am Morgen in Moskau, die Ukraine habe den letzten Vorschlag von Präsident Putin abgelehnt. Daher werde die Gasversorgung für das Nachbarland eingestellt.

Das ukrainische Unternehmen Neftegas bestätigte mittlerweile in Kiew die Einstellung der Lieferungen. Die Versorgung der Industrie und der Privathaushalte sei aber weiter gesichert, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Bis zum Abschluss eines neuen Liefervertrages mit Gasprom will die Ukraine mit eigenen Ressourcen sowie Importen aus Turkmenistan auskommen.

EU-Minister appellieren an Kiew und Moskau

In einem gemeinsamen Brief haben sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und seine Kollegen aus Österreich, Frankreich und Italien an Russland und die Ukraine gewandt. Die Minister riefen Moskau und Kiew dazu auf, trotz ihres Streits die Versorgung Westeuropas mit Gas zu sichern. Unabhängig vom Ausgang des Konflikts müssten die Lieferungen an den Westen in vollem Umfang aufrechterhalten werden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:13 Uhr