Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Thierse fordert europäische Kultur der Erinnerung

Die französische Politikerin Simone Veil spricht zu den Mittgliedern des Bundestags (AP)
Die französische Politikerin Simone Veil spricht zu den Mittgliedern des Bundestags (AP)

Bundestagspräsident Thierse hat bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus den Aufbau einer europäischen Kultur der Erinnerung gefordert. Die grenzüberschreitende Beschäftigung mit dem Holocaust könne gerade jungen Menschen vor Augen führen, dass die positiven Werte und Traditionen in Europa keine Selbstverständlichkeit seien, sagte Thierse im Parlament in Berlin. Er unterstrich zugleich, dass am heutigen Tage aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werde - der Juden in erster Linie, aber auch der Roma und Sinti, der Homosexuellen und der Behinderten. Alle betroffenen Gruppen hätten das gleiche Recht auf Anerkennung und würdiges Gedenken.

Thierse bezeichnete es als "besonderen Vertrauensbeweis", dass knapp 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wieder 100.000 Juden leben. Die jüdische Gemeinde in Deutschland sei inzwischen die drittgrößte in Europa. Umso bestürzender sei es, dass sich der Antisemitismus wieder breit mache.

Als Gastrednerin berichtete die frühere Präsidentin des Europaparlaments und Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz, Simone Veil, von ihrer Gefangenschaft und Befreiung. Vielen Überlebenden sei die Rückkehr in ein normales Leben bis heute nicht gelungen. Frau Veil betonte, Demokratie und die Vermittlung von Erinnerung seien die Grundpfeiler einer erweiterten Europäischen Union. Sie ermahnte die EU-Mitgliedsstaaten, dem wieder aufkeimenden Antisemitismus mit aller Entschiedenheit Einhalt zu gebieten.

An der Veranstaltung zum Tag des Gedenkens nahmen auch Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder und weitere Regierungsmitglieder teil.

Forderung nach Mahnmal für Sinti und Roma

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat der Bundesregierung vorgeworfen, den Bau des Mahnmals für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma zu verzögern. Bundeskanzler Schröder müsse die Diskussion um das Mahnmal beenden, forderte der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, im DeutschlandRadio Berlin. Der Völkermord an den Sinti und Roma sei eine historische Tatsache. Daher sei Skepsis gegenüber einer möglichen Ansammlung von Mahnmalen im Zentrum Berlins nicht angebracht. Man dürfe den Opfern keinen Wettbewerb aufzwingen, betonte Rose.
Interview mit Romani Rose

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:04 Uhr