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Gegen Waffenhandel, für Bildung, gewaltfreien Protest und Umweltschutz

Ole von Uexkull über die diesjährigen Preisträger der Alternativen Nobelpeise

Von Tim Krohn

Schwedisches Parlament in Stockholm: Hier werden im Dezember die Alternativen Nobelpreise verliehen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Schwedisches Parlament in Stockholm: Hier werden im Dezember die Alternativen Nobelpreise verliehen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

"Unsere Preisträger haben der Welt mindestens einen so großen Nutzen gebracht, wie die Träger der konventionellen Nobelpreise." Davon ist Ole von Uexkull, Geschäftsführer der Stiftung "Right Livelihood Awards" überzeugt. Und das gelte natürlich in besonderem Maße auch für die in diesem Jahr Ausgezeichneten.

Demonstranten in London belagern das "House of Parlaments". Die Aktivisten tragen Waffenattrappen in Einkaufskörben und ziehen damit weiter zu den größten Rüstungsbetrieben der Stadt.

Die "Campaign Against Arms Trade" protestiert gegen Waffenlieferungen an Länder wie Bahrain oder Saudi-Arabien, und das mit einem ganz einfachen Slogan: "This not OK!"

Seit mehr als 40 Jahren ein "innovativer und effektiver Widerstand gegen den globalen Waffenhandel" – findet die Jury des Right Livelihood Awards in Stockholm und vergibt deshalb einen der vier Alternativen Nobelpreise nach London.

"Wir sind einfach der Meinung, dass unsere Preisträger der Welt mindestens einen so großen Nutzen gebracht haben, wie es die Träger der konventionellen Nobelpreise tun."

Das, was der Geschäftsführer der Stiftung, der Deutsche Ole von Uexkull, da beschreibt, trifft auf die einzige Preisträgerin dieses Jahres ganz sicher zu. Von Uexkull ehrte am Vormittag die afghanische Politikerin und Menschenrechtlerin Sima Samar.

Ole von Uexkull: "Eine Ärztin, die inzwischen die wichtigste Stimme für die Menschenrechte in Afghanistan geworden ist. Sie hat in den 80er-Jahren Schulen gegründet, Mädchen unterrichtet in einer Zeit, als die Taliban das gar nicht erlaubt haben. Und ist heute Vorsitzende der afghanischen Menschenrechtskommission. Sie bekommt viele Todesdrohungen. Und sie hat mir mitgeteilt, dass dieser Preis ein ganz wichtiger Schutz für sie sein wird."

Bildung, sagt Samar, sei der Schlüssel gegen Armut und für die Achtung der Menschenwürde. Die Jury würdigt ihren entschlossenen Kampf in einer der instabilsten Regionen der Welt mit einem Alternativen Nobelpreis.

Auch die anderen beiden Preisträger sind erfahrene und international hoch respektierte Persönlichkeiten.

Der US-Amerikaner Gene Sharp forscht schon seit den 50er-Jahren darüber, wie man gewaltfreie Proteste organisieren kann. Das Vorwort zu seinem ersten Buch schrieb damals Albert Einstein. Heute sind die Schriften des Wissenschaftlers in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

"Wer die Geschichte des gewaltfreien Protestes analysiert", sagt Sharp, der werde wissen, wie man den Widerstand effektiver machen kann. "Man kann etwas erreichen, obwohl es nicht leicht wird."

Sharp genießt einen weltweiten Ruf als der "Machiavelli der Gewaltlosigkeit." Seine Theorien wurden in den vergangenen Jahren ganz konkret angewandt – zuletzt bei den friedlichen Protesten des Arabischen Frühlings in Kairo

Der Mann, der hier im Hintergrund ein türkisches Lied anstimmt, bewegt die Massen auf seine Art. Alle singen mit, denn so ziemlich jeder Türke kennt Hayrettin Káraca. Der mittlerweile 90-jährige Geschäftsmann und Naturschützer gilt als so etwas wie der Großvater der türkischen Umweltbewegung. Die Stifter des Alternativen Nobelpreises ehren ihn aber nicht nur deshalb.

Ole von Uexkull: "Besonders bei Kindern ist er unheimlich beliebt und bekannt. Wir finden, dass die Umweltarbeit in der Türkei sehr sehr wichtig ist für die ganze Region. Wir wollten deshalb den wichtigsten Vertreter dieser Umweltbewegung auszeichnen."

Die Preise an Káraca und die anderen werden am 07. Dezember im Stockholmer Reichstag übergeben.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr