Gemeinsame Recherche von ZEIT ONLINE und Deutschlandfunk Weitere Ölanschläge in deutschen Museen

Die Vandalismus-Aktion auf die Berliner Museumsinsel, bei der Unbekannte am Tag der Deutschen Einheit über eine Stunde lang unbemerkt rund 70 Kulturgüter mit Olivenöl bespritzen konnten (Deutschlandfunk berichtete am 20. Oktober 2020), hatte mehr Vorbilder als bislang bekannt. ...

Nach Recherchen von ZEIT ONLINE und Deutschlandfunk gab es nicht nur im Sommer auf der Wewelsburg bei Paderborn eine ähnliche Tat. Nur zwei Wochen vor der Berliner Attacke wurde ein ähnlicher Vorfall auch im Schloss Cecilienhof in Potsdam entdeckt. Dort sollen Unbekannte unter anderem die Skulptur einer Amazone des französischen Bildhauers Louis Tuaillon attackiert haben. Die Ölspuren erstreckten sich vom Hals des Pferdes, auf dem die Kriegerin sitzt, bis auf deren Oberschenkel.

Wie bei den beiden anderen Tatorten ist auch für Potsdam ein politischer Hintergrund als Motiv offenbar nicht auszuschließen. Auf Schloss Cecilienhof fand unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Juli und August 1945 die Potsdamer Konferenz statt, bei der die USA, Großbritannien und die Sowjetunion über die Neuordnung Deutschlands berieten. Im Potsdamer Abkommen wurden die politischen und geografischen Rahmenbedingungen für den neuen deutschen Staat, seine Entmilitarisierung, die Höhe der Reparationszahlungen und der Umgang mit Kriegsverbrechern festgelegt. Die damit in Cecilienhof auch völkerrechtlich bestätigte Niederlage und das Ende des nationalsozialistischen Deutschen Reichs erkennt die zu Teilen rechtsradikale "Reichsbürgerbewegung" nicht an. Die attackierte Amazonen-Skulptur steht im ehemaligen Arbeitszimmer der amerikanischen Delegation. Weitere Ölspuren fanden sich im Kaminzimmer und in jenem Raum, in dem in die historische Ausstellung zur Geschichte des Schlosses und der Potsdamer Konferenz eingeführt wird.

Auch die Tat in der Wewelsburg bei Paderborn, wo bereits im Juli Ölspuren an rund 50 Objekten festgestellt wurden, weist einen möglichen Bezug zur rechten Szene auf. Im sogenannten Obergruppenführersaal im Nordturm der Burg, die die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 als Kultstätte, Wallfahrtsort und Versammlungsort für SS-Führer nutzen, befindet sich ein großes Bodenmosaik aus dunkelgrünem Marmor mit der sogenannten Schwarzen Sonne. Das Symbol dient der rechten wie Teilen der völkischen Esoterik-Szene als Identifikationszeichen. Auch vor dem abgesperrten Saal fanden sich Ölspuren. Öl wird in manchen religiösen oder kultischen Zusammen-hängen eine reinigende oder heilende Kraft zugesprochen.

Zu den Details des Anschlags berichtet der Deutschlandfunk in der Sendung "Kultur heute" am Mittwoch (19. November, 17.35 Uhr) und online unter http://dlf.de/487835

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Ein Mann ist von oben zu sehen, wie er an einem Tisch mit dem Computer und mehreren anderen digitalen Geräten wie Notebook, Smartphone, Smartwatch arbeitet.  (imago / Westend61)

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