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Gewalt in Ägypten

Blutige Straßenschlachten zwischen Gegnern und Anhängern Mursis

Gegner und Anhänger des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi lieferten sich in der Stadt Mansura im Nildelta gewaltsame Auseinandersetzungen. (picture alliance / dpa / Sayed Baz / Anadolu Agency)
Gegner und Anhänger des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi lieferten sich in der Stadt Mansura im Nildelta gewaltsame Auseinandersetzungen. (picture alliance / dpa / Sayed Baz / Anadolu Agency)

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat es in einem Jahr nicht geschafft, sein Land zu beruhigen: Wenige Tage vor dem ersten Jahrestag von Mursis Amtseinführung ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen Gegnern und Anhängern gekommen. Der Präsident sieht die Konterrevolution am Werk.

Mit Unruhen war gerechnet worden, wenn sich am 30. Juni die Präsidentschaft Mohammed Mursis zum ersten Mal jährt. Nun ist es bereits einige Tage zuvor zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Mursi-Gegnern und -Anhängern gekommen, bei denen mindestens ein Mensch getötet und Hunderte verletzt wurden.

Mursi hat mit einer Ansprache versucht, die offensichtlich auf ihn zurollende Welle von Protesten zu stoppen. Er behauptete, die für kommenden Sonntag geplanten Massendemonstrationen würden von korrupten Ex-Funktionären des 2011 gestürzten Regimes von Husni Mubarak gesteuert. "Jede Revolution hat Feinde", sagte der erste Islamist an der Spitze des ägyptischen Staates am Mittwochabend vor Anhängern in Kairo. Mursi räumte ein, in seinem ersten Jahr im Amt auch Fehler gemacht zu haben, ohne diese jedoch näher zu benennen. Er sagte: "Ich entschuldige mich bei allen für das, was auf den Straßen los ist". Auch kündigte er "durchgreifende und schnelle Reformen" an.

Mursi sagte, Minister und Gouverneure sollten "alle Beamten entlassen, die für die Krisen verantwortlich sind, unter denen die Bürger leiden müssen." Zudem kündigte Mursi an, dass ein nationales Versöhnungskomitee eingerichtet werden soll sowie ein weiteres, in dem über die Kritikpunkte der Opposition an der von den regierenden Islamisten beschlossenen Verfassung gesprochen werde. Vorgezogene Neuwahlen schloss Mursi dagegen aus.

Mindestens ein Toter und mehr als 200 Verletzte im Nildelta


Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa)Mit einer Ansprache versuchte Mursi die Protestwelle zu stoppen. (picture alliance / dpa)Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des islamistischen Staatschefs wurde in der Stadt Al-Mansura im Nildelta ein Zivilist getötet, über 200 Menschen wurden nach nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums verletzt. Sicherheitskräften zufolge begannen die Zusammenstöße, als Kritiker des Staatschefs Teilnehmer einer Kundgebung zur Unterstützung Mursis mit Müll bewarfen.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich Hunderte von Gegnern der regierenden Islamisten. Sie riefen Slogans gegen die Muslimbruderschaft, aus der Mursi und ein Großteil der von ihm ernannten Gouverneure und Minister stammen. Viele Ägypter sind unzufrieden mit den regierenden Islamisten, weil die Arbeitslosigkeit, die Kriminalitätsrate und die Lebensmittelpreise gestiegen sind. Außerdem mangelt es derzeit an Benzin, und die Stromversorgung ist lückenhaft. Mursi führte die Probleme auf die Hinterlassenschaften des alten Regimes und die Störversuche der Opposition zurück. Er sagte: "Für Wirtschaftswachstum brauchen wir politische Stabilität."

Gegner und Anhänger Mursis mobilisieren für das Wochenende


Auf den für den Jahrestag von Mursis Amtsübernahme am Sonntag (30. Juni) geplanten Massenkundgebungen wollen die Gegner des Präsidenten seinen Rücktritt und vorgezogene Präsidentschaftswahlen fordern. Mursis Anhänger wiederum planen Kundgebungen zu seiner Unterstützung am Freitag.

Die Kritiker Mursis werfen ihm insbesondere vor, eine Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft voranzutreiben. Die Organisatoren einer Kampagne namens Tamarod (arabisch für Rebellion) sammelten nach eigenen Angaben bereits mehr als 15 Millionen Unterschriften für eine vorgezogene Präsidentschaftswahl. Mehrere Oppositionsparteien haben angekündigt, sie werden so lange demonstrieren, bis Mursi zum Rücktritt gezwungen wird, so wie Mubarak im Februar 2011.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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