Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 16.10.2008

"Good job, good job"

John McCain unterliegt beim letzten Fernsehduell mit Barack Obama

Barack Obama (links) und John McCain (AP)
Barack Obama (links) und John McCain (AP)

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain hat dem Demokraten Obama indirekt den Sieg in der letzten Fernsehdebatte zugestanden. Obama habe es "gut gemacht, gut gemacht", so McCain.

19 Tage vor der US-Präsidenschaftswahl am 4. November konnte Obama in der Debatte damit erneut entscheidend punkten. In neuesten Wähler-Umfragen liegt Obama nun mit etwa 49 Prozent vor McCain, der etwa 44 Prozent für sich verbuchen kann. Manche Demoskopen wagen schon die Prognose eines demokratischen "Erdrutschsieges".

"Joe, der Klempner" wird den Wahlkampf entscheiden

Der Klempner Joe Wurzelbacher, bekannt geworden durch den US-Wahlkampf (AP)Joe Wurzelbacher (AP)Heimlicher Star der Debatte war "Joe, der Klempner". "Joe Wurzelbacher of Holland, Ohio", gibt es tatsächlich - Barack Obama traf ihn auf Wahlkampftour und nutzt ihn seitdem als Symbol des kleinen und mittelständischen Durchschnittsamerikaners. Immer wieder sprachen beide Kandidaten "Joe" direkt an, um insbesondere ihre wirtschaftlichen Ziele zu vermitteln.

Obama versprach der Mittelklasse Steuererleichterungen, Krankenversicherung für alle und die Ankurbelung der Wirtschaft. McCain meinte, der Klempner Joe stehe für Millionen Amerikaner, die als Handwerker oder Kleinunternehmer von Obamas Plänen für eine Kranken-Pflichtversicherung und neuen Steuern getroffen würden - und deswegen den "amerikanischen Traum" nicht verwirklichen könnten.

Seine Ankündigung, ein 300-Milliarden-Dollar-Paket für die "Joes" der Nation zu schnüren, verfehlte aber offenbar aber die erhoffte Wirkung bei den Zuschauern der Debatte. Letztlich sahen 58 Prozent Obama vorn, dagegen nur 31 Prozent McCain.

"McCain war zwar großartig, stark und entschieden - aber Obama hat sich sehr gut geschlagen, er war präsidial, souverän", meinte der konservative Publizist Dick Morris im Sender Fox News. Die demokratische Senatorin Hillary Clinton schwärmte von dem "großartigen Auftritt" Obamas. Er habe erneut seine "Führungsstärke" bewiesen und seine "klaren Vorstellungen zur Wirtschaft" belegt,
sagte die einstige innerparteiliche Konkurrentin Obamas im Sender CNN.

Der Wahlkampf ist erst zu Ende, wenn der Präsident gewählt ist

Doch was aussieht wie ein einfacher Durchmarsch ins Weiße Haus ist für Obama noch lange nicht zu Ende. Zwar kann der Senator aus Illinois bei Wirtschaftsthemen punkten, doch käme ihm eine außenpolitische Krise - ein Terroranschlag, eine Verschlechterung der Lage auf vorhandenen US-Kriegsschauplätzen - in den Weg, könnte sich das Blatt zugunsten des außenpolitisch erfahrenen und respektierten Ex-Vietnam-Soldaten McCain wenden.

Und Susanna Capelouto, Nachrichtenchefin beim Georgia Public Radio, schränkt im Interview mit dem Deutschlandfunk ein: Obama kann am 4. November nur gewinnen, wenn er es schafft, einen traditionell republikanischen US-Südstaat wie Georgia zu gewinnen.

Programmhinweis: Über den Endspurt im US-Wahlkampf berichten auch die Informationssendungen im Deutschlandradio, darunter die "Informationen am Mittag" (Deutschlandfunk, 12:10 Uhr) und die"Ortszeit" (Deutschlandradio Kultur, 12:07 Uhr).

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:31 Uhr