Google "aufgebracht" über umfangreiche Datenspionage durch NSA

Washington Post: US-Geheimdienst hat Zugriff auf hunderte Millionen privater Nutzerkonten

Die USA spionierten Kommunikationsdaten massenhaft aus (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die USA spionierten Kommunikationsdaten massenhaft aus (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der US-Geheimdienst NSA soll sich in Datenleitungen von Google und Yahoo und in abgeschirmte Datennetze des Vatikans und der Vereinten Nationen eingeklinkt haben. Anders als bei den bislang bekannt gewordenen Vorwürfen wussten die E-Mail-Anbieter nicht bescheid.

<p>Mit scharfen Worten reagierte der Internetkonzern Google auf das mögliche Anzapfen seiner Datenleitungen. Darüber hatte die US-Zeitung <papaya:link href="http://www.washingtonpost.com/world/national-security/nsa-infiltrates-links-to-yahoo-google-data-centers-worldwide-snowden-documents-say/2013/10/30/e51d661e-4166-11e3-8b74-d89d714ca4dd_story.html" text="&quot;Washington Post&quot; unter Berufung auf Dokumente des Informanten Edward Snowden" title="&quot;Washington Post&quot;: NSA klinkt sich in Nutzerkonten von Google und Yahoo ein" target="_blank" /> berichtet. "Wir sind aufgebracht darüber, wie weit die Regierung scheinbar gegangen ist, um Daten aus unseren privaten Glasfaser-Netzwerken abzugreifen", erklärte Google-Chefjustiziar David Drummond. Eine Reform sei dringend notwendig.<br /><br /><papaya:media src="53e791fc9211419e1810ba285ff51621" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Die Startseiten der Suchmaschinenanbieter Yahoo, Bing und Google" popup="yes" />Die NSA sei in der Lage, die Daten von Hunderten Millionen Nutzerkonten abzugreifen, heißt es in dem Bericht. Den internen NSA-Geheimpapieren vom 9. Januar zufolge habe die Behörde im vorangegangenen Monat mehr als 181 Millionen neue Aufzeichnungen registriert. Dabei habe es sich um Absender- und Empfängerdaten bis hin zu Inhalten wie Text, Tonaufnahmen und Videos gehandelt. Die NSA betreibe gemeinsam mit dem britischen GCHQ ein "ungewöhnlich aggressives" Werkzeug mit dem Namen "Muscular", das die Daten erschließe. <br /><br />Die Spionage erfolgte dabei offenbar im völlig rechtsfreien Raum: Anders als das Spähprogramm "Prism" sei "Muscular" nicht durch ein US-Geheimgericht genehmigt.<br /><br />Bislang war nicht bekannt, dass die NSA auch routinemäßig gegen US-Unternehmen vorgehe. Sie nutze dabei aus, auf Verbindungen zu Datenzentren außerhalb der USA zuzugreifen, was juristisch einfacher sei. Google etwa betreibe sie in Irland, Finnland, Belgien, Chile oder Singapur.<br /><br />Die NSA wies den Bericht zurück.<br /><br /></p><p><strong>Auch Vatikan und UNO abgehört</strong></p><p><papaya:media src="2cc7230b0fdcbfb03960f33c92e2091f" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Gemeinsames Gebet garantiert ohne NSA: Benedikt XVI. und Franziskus" popup="yes" />Auch der Vatikan blieb Berichten zufolge nicht verschont. Dabei habe der Dienst möglicherweise auch Informationen darüber gewonnen, wie über die Nachfolge des damaligen Papstes Benedikt XVI. beraten wurde, meldete das italienische Magazin "Panorama". Vatikansprecher Federico Lombardi sagte zu dem Bericht, dass "wir nichts darüber gehört haben und auch nicht besorgt sind". Benedikt trat am 28. Februar zurück, sein Nachfolger Franziskus wurde am 13. März zum neuen Kirchenoberhaupt gewählt.<br /><br />Aus Interesse an den Prioritäten des künftigen Oberhaupts der katholischen Kirche sollen US-Geheimdienste vor dem Konklave zur Wahl eines neuen Papsts im März mehrere Kardinäle belauscht haben. So seien Telefonate innerhalb des Kirchenstaats und von dort ins Ausland abgehört worden, darunter auch solche aus der Unterkunft von Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der später zum Papst gewählt wurde. Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks war der Argentinier Bergoglio "schon seit 2005 eine interessante Zielperson für die amerikanischen Geheimdienste".<br /><br />Auch eine Bespitzelung der UNO weist die NSA von sich. Die US-Regierung habe "zugesichert, dass die Kommunikation der Vereinten Nationen nicht überwacht wird", weder derzeit noch zukünftig, sagte UN-Sprecher Martin Nesirky in New York - auf die Vergangenheit ging er dabei nicht ein. "Die Unverletzlichkeit diplomatischer Missionen, einschließlich der Vereinten Nationen, ist durch internationales Recht festgelegt, und es wird von allen Mitgliedstaaten erwartet, sich entsprechend zu verhalten", fügte er hinzu. Das Magazin "Der Spiegel" hatte unter Berufung auf Snowden-Dokumente berichtet, die NSA sei in die interne Videokonferenzanlage der UNO eingedrungen und habe ihre Verschlüsselung geknackt.<br /><br /> </p><p><strong>"Konstruktives Treffen" wegen Merkel-Abhörung</strong></p><p>In Washington trafen sich unterdessen Vertreter des Bundeskanzleramts mit der Nationalen Sicherheitsberaterin Susan Rice, dem Geheimdienstdirektor James Clapper sowie der Antiterror-Beraterin Lisa Monaco , um <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/31/dlf_20131031_0507_c0a6b701.mp3" title="Bericht im DLF, 31.10.2013 (MP3-Audio)">über das möglicherweise abgehörte Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sprechen.</a> Danach schrieb die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice auf Twitter, das Treffen sei konstruktiv gewesen. In den nächsten Tagen und Wochen sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Ob es Fortschritte bei der Ausarbeitung eines Anti-Spionage-Abkommens zwischen Deutschland und den USA gegeben hat, ist nicht bekannt. Es war das erste Treffen zwischen Vertretern beider Seiten, nachdem berichtet worden war, dass das Handy von Bundeskanzlerin Merkel ausgespäht worden sein soll.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>Constructive meeting with German colleagues. Dialogue will continue in days and weeks ahead to strengthen our cooperation</p>— Susan Rice (@AmbassadorRice) <a href="https:twitter.com/AmbassadorRice/statuses/395661562188292096">October 30, 2013</a></blockquote><br /><script async src="http://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>Auch eine EU-Delegation war zu Gesprächen im Weißen Haus. Sie sah danach weiterhin großen Klärungsbedarf. Der deutsche Europa-Parlamentarier Brok erklärte in Washington, Problembewusstsein sei vorhanden, aber kein Gespür für die notwendige Wahrung der Balance zwischen Freiheit und Sicherheit.<br /><br /><br /><em>Weiterführende Informationen:</em><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="266611" text="Strukturen staatlicher und nicht-staatlicher Spionage" alternative_text="Strukturen staatlicher und nicht-staatlicher Spionage" /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="267034" text="Bundesregierung schickt Delegation nach Washington" alternative_text="Bundesregierung schickt Delegation nach Washington" /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="266954" text="Obamas Statement zu den Abhöraktionen kommt viel zu spät" alternative_text="Obamas Statement zu den Abhöraktionen kommt viel zu spät" /></p>

Letzte Änderung: 07.11.2013 23:18 Uhr