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Grenzen verlieren ihre Bedeutung

Schlagbäume an deutschen Ostgrenzen abgebaut

Der tschechische Premierminister Mirek Topolanek (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Entfernung des Schlagbaums. (AP)
Der tschechische Premierminister Mirek Topolanek (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Entfernung des Schlagbaums. (AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Wegfall der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien als "wahrhaft historischen Moment" gewürdigt. Bei einem Festakt im sächsischen Zittau sagte sie, nun seien Trennlinien in Europa verschwunden, "die im Kalten Krieg besonders viel Leid hervorgerufen haben".

Um Mitternacht war der sogenannte Schengen-Raum um neun EU-Mitglieder erweitert worden. Neben Polen und Tschechien gehören dazu auch Ungarn, die Slowakei, Slowenien, die drei baltischen Staaten sowie Malta. Lediglich im Flugverkehr wird es noch bis zum kommenden März Kontrollen geben. Hunderte Bewohner in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien feierten bereits in der Nacht den Wegfall der Passkontrollen.

Gemeinsam mit den Regierungschefs von Polen und Tschechien, Donald Tusk und Mirek Topolanek, öffnete Merkel am Morgen in Zittau symbolisch einen Grenzübergang zwischen Deutschland und Polen. Tusk sagte, der Tag sei ein Triumph der Freiheit.

Der erste Bus aus dem polnischen Swinemünde passiert in Ahlbeck die Grenze zu Deutschland. (AP)Der erste Bus aus dem polnischen Swinemünde passiert in Ahlbeck die Grenze zu Deutschland. (AP)Durch die Erweiterung des Schengen-Raumes sieht Wolfgang Schüssel, Fraktionsvorsitzender der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) im Bundesrat, die Sicherheit für Österreich und Deutschland verbessert. Mit dem Hinausschieben der Außengrenzen habe Westeuropa eine Pufferzone gewonnen, sagte der ehemalige österreichische Bundeskanzler im Deutschlandradio Kultur. Einige Bürger der EU seien zwar mit dem Tempo der Wiedervereinigung Europas überfordert, doch mit der Grenzöffnung werde mehr Sicherheit geschaffen. (Text/ MP3-Audio)

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wies Befürchtungen zurück,
durch die Ausweitung des Schengen-Raumes auf 24 Staaten sei mit zunehmender Kriminalität in den Grenzregionen zu rechnen. Zwar würden "die Grenzkontrollen abgeschafft, aber im Umkreis von 30 Kilometern wird die Bundespolizei mit erhöhtem Personalaufwand Kontrollen durchführen", sagte Schäuble. "Darum werden wir einen Gewinn an Sicherheit haben, nicht einen Verlust", betonte der CDU-Politiker in der "Welt".

Zur Aufnahme Polens in den Schengen-Raum sagte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, nach Schwierigkeiten im deutsch-polnischen Verhältnis in den vergangenen zwei Jahren gehe es nun wieder voran. Er wolle zwar nichts idealisieren, aber es gebe weit mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze, sagte er im Deutschlandfunk. (Text/ MP3-Audio)

Der frühere polnische Außenminister Bronislaw Geremek misst dem Beitritt Polens große symbolische Bedeutung bei. Damit schwinde die Erinnerung an den Eisernen Vorhang, der Deutschland und ganz Europa geteilt habe, sagte Geremek ebenfalls im Deutschlandfunk. (Text/ MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:26 Uhr

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