Griechen stellen Wunschliste an Gläubiger

EU-Ratspräsident warnt vor höheren Kosten

Griechenland will mehr Zeit, um Milliarden-Hilfskredite zurückzuzahlen (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Griechenland will mehr Zeit, um Milliarden-Hilfskredite zurückzuzahlen (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Griechenland hat vor dem Besuch von Kontrolleuren seiner internationalen Kreditgeber Änderungen am vereinbarten Sparprogramm gefordert. Athen will zwei Jahre mehr Zeit für Reformen bekommen und die Sparvorgaben aufweichen. Die Wunschliste stößt bei den Kreditgebern auf Ablehnung.

Die neue griechische Regierung will die Sparauflagen aufweichen, die das Land im Gegenzug für Hilfskredite in Höhe von 130 Milliarden Euro im vergangenen Februar zugesagt hatte. Doch die Gläubiger aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank - die sogenannte Troika - signalisieren wenig Verhandlungsspielraum.

So will die Regierung in Athen laut Koalitionsvertrag unter anderem Arbeitslosengeld statt 12 künftig 24 Monate zahlen, Löhne und Renten nicht weiter kürzen und die Entlassung von 150.000 Beamten stoppen. Außerdem will Athen seine Gläubiger überzeugen, dem Land mehr Zeit für die Tilgung der Schulden zu geben. Dafür wollen die drei Koalitionspartner - Konservative, Sozialisten und Demokratische Linke - energisch für den Verbleib Griechenlands im Euroland arbeiten. Die Griechen hatten bereits 2010 mit ersten Hilfskrediten rund 110 Milliarden Euro erhalten, um einen Staatsbankrott zu vermeiden.

EU-Länder gegen Zugeständnisse

Herman Van Rompuy, ständiger EU-Ratspräsident, auf dem EU-Gipfel in Brüssel (AP)EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (AP)Doch die Troika will der neuen Regierung bei ihren Reformen nicht zu weit entgegenkommen. Mehr Zeit für die Rückzahlung der Kredite bedeute auch mehr finanzielle Anstrengungen für die Europäische Union, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy der "Welt am Sonntag". "Aber das Problem ist: Wenn die Ziele von Griechenland oder anderen Staaten unter dem Rettungsschirm verschoben werden, dann brauchen sie mehr Kredite. Und das schafft offensichtlich für einige Mitgliedsländer Probleme."

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss jetzt "die wichtigste Aufgabe" der neuen Regierung sein, "schnell, umgehend und ohne zu zögern das vereinbarte Programm umzusetzen anstatt schon wieder zu fragen, was denn die anderen noch mehr tun könnten". "Der Ball liegt bei den Griechen, sie haben es in der Hand, dass die Bürger Europas wieder Vertrauen schöpfen können", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag".

Troika-Besuch wegen Erkrankungen vertagt

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte eine "Aktualisierung" der Vereinbarung mit Griechenland über die benötigten Spar- und Reformmaßnahmen angedeutet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt eine Lockerung der Auflagen dagegen bislang ab. Mögliche Zugeständnisse sind ein Thema beim EU-Gipfel am kommenden Donnerstag.

Vertreter der Troika wollten ursprünglich morgen in Athen feststellen, inwieweit die Griechen die Sparauflagen bisher eingehalten haben. Neben dem Kassensturz sollten die nächsten Schritte der Reformen besprochen werden. Doch das Treffen wurde um ein paar Tage verschoben. Der neue griechische Regierungschef Antonis Samaras kann wegen einer Augenoperation nicht teilnehmen. Auch der designierte Finanzminister Vassilis Rapanos muss sich nach einem Schwächeanfall schonen.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr