Großbritannien verweist iranische Diplomaten des Landes

Auch die Bundesrepublik zieht Konsequenzen und ruft den deutschen Botschafter aus Teheran ab

Sturm auf die britische Botschaft in Teheran: Demonstranten verbrennen den Union jack (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)
Sturm auf die britische Botschaft in Teheran: Demonstranten verbrennen den Union jack (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)

Die britische Regierung hat die Mitarbeiter der iranischen Botschaft in London aufgefordert, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Außenminister William Hague machte der iranischen Regierung schwere Vorwürfe, die Botschaft nicht ausreichend geschützt zu haben.

Inzwischen hat die Regierung in London das gesamte britische Botschaftspersonal aus Teheran zurückgerufen. Kurz darauf wurden alle iranischen Diplomaten des Landes verwiesen. Sie haben laut Außenminister William Hague 48 Stunden Zeit, Großbritannien zu verlassen.

"Wir machen die iranische Regierung dafür verantwortlich, dass sie unsere Botschaft nicht angemessen geschützt hat, wie sie es hätte tun müssen," sagte Chefdiplomat William Hague und reagierte damit auf die Angriffe von Demonstranten auf die britische Botschaft in Teheran. Die Situation stelle einen "gravierenden Bruch der Wiener Konvention dar", die den Schutz von Diplomaten und diplomatischen Vertretungen unter allen Umständen sicherstellen soll.

Auch das Auswärtige Amt hat sich inzwischen entschieden, den deutschen Botschafter aus Teheran abzuziehen, so eine Mitteilung des Außenministeriums von Mittwochnachmittag. Außerdem wurde der iranische Botschafter ins Auswärtige Amt zitiert.

Verdacht auf geplante Aktion

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani hat inzwischen eingeräumt, dass sich auch die Demonstranten an geltende Gesetze hätten halten müssen. Wie Deutschlandradio-Korrespondent Reinhard Baumgarten berichtet, könne man dies als ein gewisses Einlenken Teherans interpretieren.

Wie die Bilder im staatlichen iranischen Fernsehen zeigten, habe es sich bei den Männern, die die Botschaft gestürmt haben, um eher ältere Männer gehandelt, die nicht wie Studenten aussahen. Er habe daher den Eindruck, dass bei der Erstürmung eine "lenkende Hand" mit im Spiel gewesen sein müsse.

Britische Regierung hatte Sanktionen verschärft

Nachdem die Internationale Energiebehörde ihren Bericht über das heimliche Atomwaffenprogramm des Irans veröffentlicht hatte, hatte die britische Regierung vor neun Tagen die Sanktionen gegen das Regime in Teheran verschärft. So ist britischen Banken seitdem untersagt, mit iranischen Instituten Geschäfte zu machen. Premier David Cameron drohte mit ernsten Konsequenzen, wenn die Lage im Iran weiter eskaliert.

Weg in die politische Isolation

Die iranische Regierung reagiere seit Längerem "höchst nervös" auf Sanktionen und die Entwicklung in der arabischen Welt, sagte der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai gegenüber dem Deutschlandfunk. Der Iran sei "politisch auf dem Weg in die völlige Isolation" und das mache die politischen Akteure des Landes nervös.

Der FDP-Politiker ist überzeugt, dass der Botschaftsangriff eine organisierte Demonstration bestimmter Teile der iranischen Regierung gewesen sei. Das seien politische Akteure, die versuchen "Politik zu inszenieren und Botschaften zu senden." Die iranische Bevölkerung sei es jedoch nicht.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr