Großdemo gegen Wladimir Putin

Tausende protestieren gegen das Wahlergebnis in Russland

Von Gesine Dornblüth

Tausende Menschen demonstrieren in Moskau eine Woche nach der russischen Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin. (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)
Tausende Menschen demonstrieren in Moskau eine Woche nach der russischen Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin. (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)

Von 10.000 Teilnehmern sprach die Polizei, 25.000 sollen es nach Angaben der Organisatoren gewesen sein: In Moskau gingen am Mittag erneut die Menschen auf die Straße, um gegen das Ergebnis vom vergangenen Sonntag und für ehrliche Wahlen zu demonstrieren. Es waren weniger als die Organisatoren gehofft hatten.

"Das waren keine Wahlen": Die Sprechchöre auf dem Novyj Arbat im Zentrum Moskaus klangen ein wenig müde. Wieder waren Vertreter ganz verschiedener Bevölkerungsschichten und politischer Überzeugungen gekommen. Zum Beispiel der Kurierfahrer Andrej:

"Bei den früheren Kundgebungen hatten wir politische Ziele. Jetzt bin ich hier, um mich solidarisch mit denen zu zeigen, die gegen Putin sind. Die Wahlen haben wir verloren. Aber wir dürfen nicht auseinandergehen. Auszureisen ist keine Lösung. Wir müssen auf die Straßen gehen, wir dürfen der Regierung nicht glauben und wir dürfen keine Angst vor der Polizei haben."

Die Forderungen der Demonstranten waren im wesentlichen dieselben wie bei den früheren Kundgebungen: Sie verlangen politische Reformen, die Freilassung der politischen Gefangenen und Neuwahlen.

Die Rentnerin Tatjana hat in den letzten Wochen keine der Großdemonstrationen ausgelassen:

"Wir brauchen neue Losungen, denn zum fünften Mal mit denselben Forderungen auf die Straße zu gehen – das ist langweilig. Wir müssen die Taktik ändern. Aber es war wichtig, heute zu kommen. Wenn wir jetzt nicht kommen, dann wird Frühling und alle fahren auf die Datscha und graben ihre Gärten um. Wir auch."

Um zu verhindern, dass sich die Proteste totlaufen, will die Bürgerbewegung nun außerhalb der Straße weitermachen. Die nächste Großdemonstration ist erst für Anfang Mai geplant, vor der feierlichen Amtseinführung Putins. Bis dahin wollen seine Gegner an konkreten Projekten arbeiten. Welche das sein werden, wollen die Organisatoren in der nächsten Woche bekannt geben. Eine Idee ist, dass die vielen Tausend Wahlbeobachter, die am vergangenen Sonntag die Präsidentenwahl verfolgt haben, ihre Arbeit bei den Kommunalwahlen fortsetzen – und so zumindest auf lokaler Ebene für faire Wahlen sorgen.

Als einer der Redner trat der Politiker Grigorij Jawlinskij von der liberalen Partei Jabloko auf. Seine Kandidatur bei den Präsidentenwahlen war schon im Vorfeld verhindert worden. Er gab sich nüchtern und zuversichtlich:

"Der Weg wird lang und schwer. Der Sieg kommt nicht schnell. Aber wir werden es schaffen: Russland wird frei sein. Russland braucht den Wechsel."

Die heutigen Proteste blieben ruhig. Am Montag hatten Sondereinheiten des Innenministeriums eine Protestkundgebung der Opposition aufgelöst. Heute hielt sich die Polizei zurück. Im Anschluss an die Kundgebung wurde allerdings einer der Anführer, Sergej Udalzow, verhaftet, als er versuchte, mit seinen Anhängern einen nicht genehmigten Protestmarsch zu formieren. Auch in St. Petersburg und in Nischnij Nowgorod an der Wolga kam es nach nicht genehmigten Protesten zu Verhaftungen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr