Großer alter Mann des ostdeutschen Films

Zum Tod von Erwin Geschonneck

Erwin Geschonneck, aufgenommen anlässlich seines 100. Geburtstages am 27. Dezember 2006. (AP)
Erwin Geschonneck, aufgenommen anlässlich seines 100. Geburtstages am 27. Dezember 2006. (AP)

Der Schauspieler Erwin Geschonneck ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Dies teilte die Akademie der Künste in Berlin mit und würdigte ihn als aufrechten und unbeugsamen Zeitgenossen. Bertolt Brecht hatte ihn 1949 an das Berliner Ensemble geholt. Bekannt war Geschonneck vor allem in der DDR durch seine Filmrollen in "Jakob der Lügner" und "Nackt unter Wölfen".

Geschonneck wurde 1906 in einfachsten Verhältnissen im Berliner Scheunenviertel geboren. Sein Vater arbeitete als Flickschuster und Nachtwächter. Der Jung-Kommunist spielte in zahlreichen Agitprop-Theatergruppen und wurde von Erwin Piscator an die Junge Volksbühne geholt.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er in die Sowjetunion, bis er ausgewiesen wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Geschonneck zu den überlebenden KZ-Häftlingen vom Schiff "Cap Arcona", das nach einer Bombardierung durch die Royal Air Force in der Lübecker Bucht sank.

Nach den Hamburger Kammerspielen ging er 1949 zu Bertolt Brecht ans Berliner Ensemble. Zu seinen gefeierten Rollen gehörte in "Herr Puntila und sein Knecht Matti" die Rolle des Knecht Matti. Ende der 50er Jahre wechselte Erwin Geschonneck zum Film und gehörte bald zu den bekanntesten DEFA-Schauspielern. Er wurde mit den Filmen "Nackt unter Wölfen" (1962) und "Jakob, der Lügner" (1974), der sogar mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde, bekannt. Der Schauspieler war in weit über 100 Rollen in Film und Fernsehen zu sehen.

In einer Kritikerumfrage wurde er 1992 zum besten Darsteller der DDR gewählt. Sein Sohn Matti Geschonneck holte den fast 90-Jährigen 1995 ein letztes Mal für die Tragikomödie "Matulla und Busch" vor die Kamera. In der DDR wurde Geschonneck mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Kunstpreis der DDR und der Vaterländische Verdienstorden. In der Bundesrepublik erhielt er unter anderem das Filmband in Gold.

Geschonneck wird seine letzte Ruhe auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, dem alten Berliner Künstlerfriedhof, finden, wo er sich zu Lebzeiten eine Grabstelle neben Brecht und Helene Weigel reservieren ließ.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:28 Uhr