Grünes Licht für Bau der Waldschlösschenbrücke

Weltkulturerbetitel für Dresdner Elbtal in Gefahr

Die Brücke darf nun über dem Elbtal errichtet werden.  (AP)
Die Brücke darf nun über dem Elbtal errichtet werden. (AP)

Die umstrittene Waldschlösschenbrücke im Dresdner Elbtal kann gebaut werden. Das Oberverwaltungsgericht Bautzen (OVG) gab einer Beschwerde des Regierungspräsidiums Dresden statt. Der zuvor ergangene Bürgerentscheid zugunsten des Brückenbaus muss dem Beschluss zufolge nun umgesetzt werden.

Diese Entscheidung ist nicht mehr anfechtbar. Sollte die Waldschlösschenbrücke errichtet werden, droht dem Dresdner Elbtal die Aberkennung seines UNESCO-Weltkulturerbetitels.

Das Jahrhundertprojekt mit dem verniedlichenden Namen Waldschlösschenbrücke zerschneidet unweigerlich die Einmaligkeit der Elbauen. Sie haben industrielle Revolution und Realsozialismus ohne steinerne Uferversiegelung überstanden. Das Gericht hat die Stimme der Dresdner für den Bau dieser Brücke gewichtet, meint Jacqueline Boysen in ihrem Kommentar.

Jahrelanger Streit

Der Gerichtsentscheidung war ein jahrelanger Streit vorausgegangen. Die Dresdner hatten sich in einem Bürgerentscheid für den Bau der mehrspurigen Straßenbrücke entschieden. Als das Elbtal daraufhin im Juli 2006 – nur zwei Jahre nach Verleihung des Welterbetitels – von der UNESCO auf die Rote Liste besonders gefährdeter Welterbestätten gesetzt wurde, war der Baubeginn der Brücke durch den Stadtrat ausgesetzt worden. Danach kam es zum Streit zwischen Stadtrat und Regierungspräsidium.

So hatte das städtische Kuratorium "Welterbe" bis Januar dieses Jahres auf eine einvernehmliche Lösung gesetzt. Bis dahin sollte ein unabhängiges Gremium einen Kompromissvorschlag vorlegen, die Brücke beispielsweise an einer anderen, aus stadtplanerischer Sicht weniger gefärdeten Stelle zu bauen. Der Vorschlag sollte sowohl den Bedenken der UNESCO gegen das Bauprojekt Rechnung tragen als auch dem Ergebnis des Dresdner Bürgerentscheids zugunsten der Brücke.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) (AP)Wolfgang Thierse (SPD) (AP)

Politiker mahnten im Vorfeld Kompromissbereitschaft an

Im Streit um den geplanten Bau hatte unter anderen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse noch im vergangenen Monat deutliche Worte gefunden. Nötig sei eine Lösung, die den Weltkulturerbestatus des Elbtals berücksichtige und zugleich die Verkehrsbedürfnisse der Stadt Dresden beachte, meinte er in der "Sächsischen Zeitung".

Mehr Kompromissbereitschaft sei besser, als ohne Rücksicht auf die außenpolitischen Verpflichtungen der Bundesrepublik mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Und noch etwas hatte Thierse den Dresdnern ins Stammbuch geschrieben: Falls es zu keiner einvernehmlichen Regelung kommen würde, brauche Deutschland gar keine Weltkulturerbe-Anträge mehr bei der UNESCO zu stellen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:21 Uhr