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Guttenberg verspricht Prüfung der Afghanistan-Akten

Opposition drängt Verteidigungsminister zu Auskunft über Geheimdokumente

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) (AP)
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) (AP)

Was wusste die Bundesregierung über die Operationen amerikanischer Spezialkräfte im deutschen Einsatzgebiet in Afghanistan? Die Opposition fordert angesichts der Wikileaks-Dokumente Aufklärung vom Verteidigungsminister.

Rund 90.000 Dokumente über den Krieg in Afghanistan sind über die Internetplattform Wikileaks öffentlich gemacht worden - der "Spiegel", die "New York Times" und der britische "Guardian" haben die Papiere ausgewertet.

Zu den brisanten Ergebnissen dieser Recherchen gehören Berichte, wonach amerikanische Spezialeinheiten Jagd auf hochrangige Taliban-Kommandeure machen, um diese gefangen zu nehmen oder zu töten - und zwar auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Bei diesen Operationen soll es immer wieder zivile Opfer gegeben haben.

Doch was wusste die Bundesregierung von den Aktionen der Amerikaner? Die Opposition im Bundestag fordert Aufklärung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

"Wir wollen in dieser Woche noch von der Bundesregierung, vom Minister selber hören, was die Spezialkräfte-Unterlagen bedeuten, was diese Vorfälle bedeuten, warum wir von denen noch nie erfahren haben", sagte der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour im Deutschlandfunk. Die Bundesregierung habe entweder nicht gewusst, was die Amerikaner im deutschen Verantwortungsbereich tun, so Nouripour - oder sie habe es gewusst und den Bundestag nicht darüber informiert.

Der Verteidigungsminister wies die Vorwürfe der Opposition zurück und nahm Stellung zu den Berichten über die US-Einheit Taskforce 373, von denen in den Dokumenten die Rede ist. Die Bundestagsfraktionen seien über den Einsatz dieser Einheit informiert worden, sagte Guttenberg im ZDF-Morgenmagazin. "Jedem Informierten" sei ihre Existenz bekannt gewesen.

Der Partei Die Linke sieht angesichts der Wikileaks-Dokumente indessen den gesamten Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr in Frage gestellt. "Das vom Bundestag erteilte Afghanistan-Mandat ist hinfällig. Es wurde auf einer falschen, zumindest unzureichenden Informationsgrundlage beschlossen", heißt es auf der Webseite des außenpolitischen Fraktionssprechers, Wolfgang Gehrcke.


Links zu den Wikileaks-Enthüllungen zu Afghanistan auf dradio.de und DRadio Wissen:

Die Enthüllungswebsite Wikileaks bringt geheime Akten ans Licht, steht aber auch selbst in der Kritik.

Aus den bei Wikileaks veröffentlichten Dokumenten über den Afghanistan-Krieg sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, rät der Politikwissenschaftler Jochen Hippler.

Aufgabe der US-Task-Force 373 ist das gezielte Ausschalten von Aufständischen - auch im von der Bundeswehr kontrollierten Norden. Mord unter deutschem Schutz? Bereits Ende 2009 berichtete Deutschlandfunk-Autor Marc Thörner aus Afghanistan darüber.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr