Haiti droht nach "Sandy" Hungersnot

Hurrikan zerstörte den Großteil der Ernte im Süden des Landes

Zwei Frauen waten durch die überschwemmten Straßen von Port-au-Prince (picture alliance / dpa / EFE / Jean Jacques Augustin)
Zwei Frauen waten durch die überschwemmten Straßen von Port-au-Prince (picture alliance / dpa / EFE / Jean Jacques Augustin)

Bevor der Hurrikan "Sandy" in den USA große Schäden angerichtet hat, wütete er in der Karibik. Dutzende Menschen starben, tausende Häuser wurden zerstört - nun droht in Haiti eine Hungersnot, warnt die UNO.

Der Wirbelsturm "Sandy" hat nach Angaben der UNO auch in Haiti für schwere Zerstörungen gesorgt. Durch die anhaltenden und heftigen Regenfälle kam es zu Überschwemmungen und Schlammlawinen. Rund 1,8 Millionen Einwohner seien auf Haiti direkt von den Folgen des Hurrikans betroffen. Mindestens 60 Menschen seien getötet worden, erklärte das UNO-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Genf. "Sandy" habe auf dem Inselstaat 18.000 Häuser beschädigt oder völlig zerstört.

Zudem droht dem ohnehin bitterarmen Karibikstaat eine Hungersnot. Knapp drei Jahren nach dem verheerenden Erdbeben kämpfen die Menschen noch immer mit den Folgen der Katastrophe, bei der mehrere Hunderttausend Menschen starben. Zusätzlich zu den Erdbeben-Opfern könnten nun bis zu eine Million Haitianer von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten werden, erklärte OCHA-Leiter Johan Peleman. In den kommenden Monaten drohten "ernsthafte Probleme" durch Unterernährung.

Sandy könnte Großteil der Ernte zerstört haben

Der Norden des Landes litt laut Peleman bereits vor "Sandy" unter einer schweren Dürre. Der Hurrikan könnte nun einen Großteil der Ernte im Süden zerstört haben. Am vergangenen Mittwoch bat Haitis Regierungschef Laurent Lamothe um internationale Hilfe.

Zudem wütet auf Haiti eine Cholera-Epidemie, der in den vergangenen zwei Jahren rund 7000 Menschen zum Opfer fielen. Die von "Sandy" herangeführten Wassermassen könnten die Epidemie weiter verschlimmern, warnte OCHA. Die Erreger werden über verschmutztes Wasser verbreitet. Kurzzeitig sei die Zahl der Cholera-Infektionen gestiegen, teilte die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in der Hauptstadt Port-au-Prince mit.

Auch auf Kuba hat "Sandy" für schwere Zerstörungen gesorgt. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Es werde Jahre dauern, bis sich der Osten Kubas von den Schäden erholt habe, erklärte die Generalsekretärin von Caritas Kuba, Maritza Sánchez. Die Stadt Santiago de Cuba und benachbarte Gemeinden seien vom Hurrikan am Donnerstag vergangener Woche praktisch zerstört worden.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr