Heftige Kämpfe in den Vororten Misratas

Auch im Jemen und in Syrien weiter unklare Lage

Aufständische in der Stadt Misrata (picture alliance / dpa)
Aufständische in der Stadt Misrata (picture alliance / dpa)

Die libyschen Rebellen haben eigenen Angaben zufolge die umkämpfte Hafenstadt Misrata erobert. Die Kämpfen gehen aber offensichtlich in den Vororten der Stadt weiter. Und auch in Syrien geht das Regime weiter hart gegen seine Kritiker vor. Und im Jemen zeigen die Proteste erste Erfolge.

Wie tagesschau.de berichtet, forderte der Samstag besonders viele Tote und Verletzte. Die libyschen Rebellen haben nach eigenen Angaben die seit Wochen schwer umkämpfte Stadt Misrata erobert. In den Feuerpausen versuchen die verbliebenen Einwohner sich mit dem Nötigsten zu versorgen, berichtet Linda Staude aus der umkämpften Stadt.

Zuvor hatte der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi angekündigt, seine Truppen aus Misrata zurückziehen zu wollen und den Stämmen der Region den Kampf gegen die Aufständischen zu überlassen. Dies teilte der stellvertretende libysche Außenminister Khaled Kaim am späten Freitagabend mit. Stammesvertreter sollen mit den Rebellen in Misrata verhandeln. Wenn die Verhandlungen ergebnislos seien, so Kaim, würde man die Kämpfe erneut aufnehmen.

Ein Sprecher der Aufständischen in Bengasi reagierte mit Spott auf die Ankündigung Kaims. "Was sollen das für Stämme sein, die Gaddafi unterstützen?", sagte Ahmed Bani dem US-Sender CNN.

Militärische Erfolge der Aufständigen in Misrata

Die Rebellen hatten in der Stadt Misrata in den vergangenen Tagen militärische Erfolge für sich verbucht. Unter anderen hatten sie das Hauptkrankenhaus und die Misrata-Brücke nahe dem Westeingang der Stadt unter ihre Kontrolle gebrachte, wie der rabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete. Das Spital war zuvor von den Truppen des Machthabers Gadaffis als strategischer Stützpunkt genutzt worden.

Unter anderen eroberten die Aufständischen auch das Versicherungsgebäude in der Tripolis-Straße zurück. Das Hochhaus überblickt das gesamte Zentrum Misuratas. Gaddafis Truppen hatten es als Posten für Scharfschützen benutzt und von dort aus auch zahlreiche Zivilisten erschossen.

Inzwischen ist auch ein Schiff der "Internationalen Organisation für Flüchtlinge" mit Lebensmitteln, Medizin und Zelten auf dem Weg in die Stadt, berichtete Hans Michael Ehl im Deutschlandfunk (Audio-Beitrag). Die Versorgungslage in Misrata gilt als dramatisch. Die drittgrößte libysche Stadt wird seit acht Wochen von den Truppen des Gaddafi-Regimes belagert. Der Seeweg ist die einzige Möglichkeit, die in der Stadt eingeschlossene Bevölkerung zu erreichen.

Syrisches Regime setzt weiter auf harte Linie gegen Demonstranten

Auch in Syrien bleibt die Lage weiterhin angespannt: Die syrische Geheimpolizei hat nach Angaben von Bürgerrechtlern zahlreiche Aktivisten bei nächtlichen Razzien festgenommen. Die Einsatzkräfte seien in Zivil und mit Sturmgewehren bewaffnet gewesen, hieß es. 75 bis 100 Menschen sollen in den letzten Tagen getötet worden sein.

In Syrien hatte es nach dem Freitagsgebet Demonstrationen gegeben. Regierungstruppen gehen gewaltsam gegen die Proteste vor. Im Netz hat die Facebook-Gruppe "Syrische Revolution 2011" zu weiteren Protesten aufgerufen.

Regierung des Jemen akzeptiert Präsidentenrücktritt

Im Jemen scheint der wochenlange Protest gegen den amtierenden Präsidenten Saleh zu fruchten. Prinzipiell habe er dem Vorschlag, den der Golf-Kooperationsrat vorgelegt hat, zugestimmt. Er will zurücktreten, sofern ihm und seinem Clan Straffreiheit zugesichert werden.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr