Hisbollah stimmt Gesprächen zu

Israel für internationale Friedenstruppe

Israelischer Angriff im Südlibanon (AP)
Israelischer Angriff im Südlibanon (AP)

Die radikal-islamische Hisbollah-Organisation hat indirekten Verhandlungen mit Israel über einen Gefangenenaustausch zugestimmt. Dies erklärte der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri in Beirut. Die pro-iranische, schiitische Hisbollah sei dazu bereit, unter Einschaltung von Vermittlern über die Freilassung zweier israelischer Soldaten, die sie vor zwölf Tagen in ihre Gewalt gebracht hatte, zu verhandeln, sagte Berri.

Die beiden israelischen Soldaten sind nach Darstellung des libanesischen Außenministers Fausi Salluch "bei guter Gesundheit". Er rief die Vereinten Nationen und freundlich gesonnene Drittländer in Beirut dazu auf, sich für einen Gefangenenaustausch einzusetzen.

Israel bringt erneut Schutztruppe ins Gespräch

Israel ist nach Worten von Verteidigungsminister Amir Perez für die vorübergehende Aufstellung einer internationalen Truppe im Süden des Libanon. "Israel unterstützt eine starke internationale Truppe mit einem robusten Mandat in Südlibanon für einen begrenzten Zeitraum, bis die libanesische Armee in Position gehen und auf effektive Weise aktiv werden kann", sagte Perez nach Angaben seines Büros nach einem Treffen mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). In Jerusalem wurden auch der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy und US-Außenamtschefin Condoleezza Rice erwartet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für den jetzigen Zeitpunkt gegen eine deutsche Beteiligung an einer Friedenstruppe im Nahost-Konflikt ausgesprochen. "Im Augenblick sehe ich das nicht", sagte Merkel im ZDF-Sommerinterview, das vorab veröffentlicht wurde. Trotzdem würden sich die Vereinten Nationen aber damit befassen.

Israels Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, hat die Militäraktion im Libanon verteidigt. Der Einsatz der israelischen Armee gegen die Hisbollah-Miliz sei keinesfalls unverhältnismäßig, sagte Stein im Deutschlandfunk.

In dem Konflikt räumt der Nahost-Experte Udo Steinbach der Diplomatie derzeit kaum Chancen ein. "Man will die Sache auskämpfen", sagte der Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg im Deutschlandfunk.

Kämpfe gehen weiter

Bei neuen Raketenangriffen der Hisbollah-Milizen auf den Norden Israels sind mindestens zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt worden. Der israelische Rundfunk meldete, die beiden Menschen seien bei einem Einschlag in der Hafenstadt Haifa getötet worden. Die israelischen Streitkräfte setzten in der Nacht zum Sonntag ihre Angriffe im Libanon fort. Erstmals seit Beginn der Kampfhandlungen vor zwölf Tagen wurde dabei auch die Küstenstadt Sidon bombardiert. In Tanajal nahe der syrischen Grenze zerstörten die Israelis nach Angaben von Augenzeugen eine Fabrik. Nach israelischen Medienberichten wurde in der Nacht erneut der Beiruter Stadtteil Dahiya, eine Hochburg der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz, angegriffen.

Immer mehr Ausländer bringen sich in Sicherheit

Die Massenflucht von Ausländern aus dem Libanon hält an. Auf Zypern wurden laut der zyprischen Nachrichtenagentur CNA am Sonntag insgesamt fast 6000 weitere Ankömmlinge per Schiff erwartet. In der Türkei kamen bislang mehr als 3000 Libanon-Flüchtlinge ebenfalls auf dem Seeweg an. Insgesamt sind nach Angaben des US-Botschafters in Beirut bislang 10.000 Amerikaner aus dem Libanon evakuiert worden, wie der Sender CNN berichtete. Bis Samstag wurden 4600 Bundesbürger nach Deutschland gebracht.

Die Vereinten Nationen fordern angesichts der humanitären Notlage im Libanon umgerechnet mehr als 79 Millionen Euro für dringende Hilfen. Das sagte der UN-Koordinator für Nothilfe (OCHA), Jan Egeland, in Larnaka (Zypern) auf dem Weg nach Beirut.

Papst Benedikt XVI. rief zu einem sofortigen Waffenstillstand im Nahost-Konflikt auf. Die leidende Zivilbevölkerung im Krisengebiet müsse humanitäre Hilfen erhalten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:17 Uhr