"Honig" holt Goldenen Bären

Türkischer Wettbewerbsbeitrag ausgezeichnet

Der türkische Regisseur Semih Kaplanoglu posiert mit dem Goldenen Bären für sein Drama "Honig" ("Bal". (AP)
Der türkische Regisseur Semih Kaplanoglu posiert mit dem Goldenen Bären für sein Drama "Honig" ("Bal". (AP)

Auf der 60. Berlinale ist am Samstag der türkische Film "Bal" (Honig) mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Den Preis für die beste Regie erhielt in Abwesenheit Roman Polanski für seinen Thriller "Der Ghostwriter".

"Bal" erzählt in langen, ruhigen Einstellungen die Geschichte des siebenjährigen Yusuf und zeigt sein Leben in der Bergwelt Anatoliens. Sein Vater ist Bienenzüchter, weil seine Bienenvölker aussterben, muss er immer weiter von seinem Heimatdorf wegziehen und kehrt eines Tages nicht zurück. Regisseur Semih Kaplanoglu scherzte bei der Preisverleihung: "Während der Dreharbeiten waren wir im Wald, und nur zehn Meter von uns entfernt war ein Bär, der Honig aus Bienenstöcken holen wollte. Als er uns sah, flüchtete er - aber ich glaube, jetzt ist er hier".

Im Deutschlandradio Kultur sagte Regisseur Semih Kaplanoglu, er habe den Wald in seinem Film ausgewählt, weil er den Wald "als eine Art Spiegelung unseres Ursprungs" empfinde. "Ich habe den Wald genommen, um eine Art Metapher für die Seele zu finden." (MP3-Audio)

Jury-Präsident Werner Herzog sagte, über den Hauptpreis sei man innerhalb der Jury sich sehr schnell einig gewesen.

Den Silbernen Bären für die beste Regie erhielt Roman Polanski für seinen Thriller "Der Ghostwriter". Polanski selbst steht unter Hausarrest in seinem Chalet in der Schweiz. Er ließ über seine Produzenten mitteilen: "Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Beim letzten Mal, als ich einen Preis entgegennehmen wollte, wurde ich verhaftet."

Den Preis für die beste Darstellerin erhielt die Japanerin Shinobu Terajima für ihre Darstellung in "Caterpillar". Den Preis für den besten Darsteller teilen sich die russischen Schauspieler Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis für ihre Leistung in "How I Ended this Summer". Der Film erhielt auch einen Preis für die beste Kamera.

Mit dem großen Preis der Jury wurde der rumänische Beitrag "If I want to whistle,I whistle" ausgezeichnet. Den Preis für das beste Drehbuch gab es für den chinesischen Regisseur Wang Quan'an, der mit seiner Tragikomödie "Tuan Yuan" (Getrennt zusammen) die Berlinale eröffnet hatte. Die deutschen Wettbewerbsbeiträge gingen leer aus.

Die Jury musste zwischen 20 Wettbewerbsfilmen entscheiden, von denen 17 Weltpremieren waren. Am heutigen Sonntag geht die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr