IAEO-Chef schließt Gewalt gegen Teheran nicht aus

El Baradei: Friedliche Ziele von Irans Atomprogramm zweifelhaft

Mohamed El Baradei, Leiter der Atomenergiebehörde IAEO (AP)
Mohamed El Baradei, Leiter der Atomenergiebehörde IAEO (AP)

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el Baradei, schließt den Einsatz von Gewalt nicht aus, um den Iran im Streit über das Nuklearprogramm zur völligen Offenlegung zu zwingen. Diplomatie bestehe nicht nur aus Reden, sagte El Baradei in einem Interview der US-Zeitschrift "Newsweek".

Man brauche auch Druckmittel, und in extremen Fällen sogar Gewalt. Er sei nicht bereit, die dem Iran gesetzte Frist zur vollen Kooperation zu verlängern. Die Frist läuft am 6. März ab.

Die IAEO soll feststellen, ob das iranische Atomprogramm nur friedlichen Zwecken dient oder ob auch waffenfähiges Material produziert werden soll. El Baradei sagte, um dies festzustellen, müssten noch Bodenproben genommen und weitere Wissenschaftler befragt werden. Der Iran scheine sich nicht darüber zu sorgen, wenn die IAEO offiziell Zweifel an den friedlichen Zielen des Atomprogramms feststelle. Doch nach dreijähriger intensiver Arbeit werde eine derartige Feststellung auf der ganzen Welt ein Echo haben, sagte El Baradei.

Suche nach diplomatischer Lösung


Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates und Deutschlands berieten am Montag in London über das weitere Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran. Dabei ging es auch um die Frage, ob der UNO-Sicherheitsrat eingeschaltet werden soll. Die USA und die EU-Troika - bestehend aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien - plädieren für diesen Schritt. Russland und China hingegen verhalten sich zurückhaltend.

Der britische Außenministers Jack Straw erklärte, die Gespräche mit Peking und Moskau seien enorm wichtig. Die Einschaltung des Sicherheitsrates würde aber nicht automatisch die Verhängung von Wirtschaftssanktionen nach sich ziehen. China und Russland pflegen enge wirtschaftliche Beziehungen zum Iran.

US-Senator McCain schließt Militäreinsatz nicht aus


Nach Ansicht des republikanischen Senators John McCain müssen die USA auf einen Militäreinsatz gegen den Iran vorbereitet sein. Mit der Entwicklung im Iran sei eine der schwerwiegendsten Lagen seit dem Ende des Kalten Krieges entstanden, sagte der einflussreiche amerikanische Politiker dem Fernsehsender CBS. Zwar seien die Vereinigten Staaten durch ihren Militäreinsatz im Irak in hohem Maße gebunden, dies bedeute aber nicht, dass Washington keine militärischen Optionen habe. Zunächst müsse aber nach einem friedlichen Weg aus der Krise gesucht werden.

Iran verteidigt sein "verbrieftes Recht"


Der neue iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad (AP)Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad (AP)Der Iran zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von der drohenden Anrufung des UNO-Sicherheitsrats. Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte, der Iran werde sich nicht einschüchtern lassen. Sein Land werde sein verbrieftest Recht zur Nutzung der Atomtechnik verteidigen, sage Ahmadinedschad.

Teheran hatte Mitte vergangener Woche die Siegel der Internationalen Atomenergiebehörde an drei Atomanlagen entfernt und damit den ersten Schritt zur Wiederaufnahme der Uran-Anreicherung gemacht.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:14 Uhr