"Ich bin überrascht und zutiefst demütig"

Obama erhält Friedensnobelpreis

US-Präsident Barack Obama. (AP)
US-Präsident Barack Obama. (AP)

US-Präsident Barack Obama reagierte überrascht und bescheiden auf die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis. Wenn er ehrlich sein solle, habe er den Preis nicht verdient, erklärte der US-Präsident. Er werde den Preis jedoch als Aufruf ansehen, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen.

Am Freitagvormittag hatte das norwegische Nobelpreiskomitee in Oslo seine Entscheidung mitgeteilt. Obama habe ein neues internationales Klima geschaffen und die internationale Diplomatie gestärkt, hieß es in der Begründung des norwegischen Nobelpreiskomitees.

Vor allem Obamas Plädoyer für eine Welt ohne Atomwaffen hob das Komitee hervor. In einer viel beachteten Rede (ZDF-Video) im April dieses Jahres in Prag warb er für eine atomare Abrüstung. Auch im Kampf gegen den Klimawandel spiele die USA dank Obamas Initiative eine konstruktivere Rolle. 108 Jahre lang habe das Nobelkomitee versucht, genau jene internationale Politik anzuregen, für die Obama weltweit nun Wortführer sei, schloss die Begründung des Nobelpreiskomitees.

Gratulationen und Erstaunen

Aufgrund der kurzen Präsidentschaftszeit Obamas gilt die Auszeichnung als überraschend. Das Komitee habe jedoch schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern, sagte der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland. Alles, was Obama in seiner Zeit als Präsident angepackt habe, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert habe, sei "schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen". (MP3-Audio)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Obama zum Friedensnobelpreis: "Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen", sagte Merkel. Auch der Regierungsbeauftragte für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, begrüßte die Entscheidung. Allerdings sei es eine Verleihung "für Absichten", noch nicht für erreichte Erfolge.

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe hält die Auszeichnung von US-Präsident Obama mit dem Friedensnobelpreis für verfrüht. Zwar sympathisiere er mit den Zielen des Laureaten, aber mit diesen Vorschlusslorbeeren tue man Obama keinen Gefallen.

Nach einer ziemlich langen pessimistischen Durststrecke habe Obama weltweit Hoffnungen erweckt, "dass es eine bessere Zukunft geben könnte", kommentierte der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum (MP3Audio), die Vergabe des Friedensnobelpreises an den US-Präsidenten.

Mehr Nominierungen für Friedensnobelpreis denn je

205 Namen und Organisationen wurden in diesem Jahr für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen - mehr als je zuvor. Allerdings gab es vor der Preisvergabe keine ausgeprägten Favoriten. Im letzten Jahr ging der Friedensnobelpreis an den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari. Er wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz als Mittler und Makler bei internationalen Krisen, Konflikten und Kriegen ausgezeichnet. Letzter Preisträger aus Deutschland war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt.

Der von Alfred Nobel gestiftete Preis wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen.

Der Nobelpreis wird jedes Jahr in fünf Kategorien verliehen. Bislang wurden in diesem Jahr die Preise für Medizin,Chemie, Physik und Literatur und der Friedensnobelpreis bekannt gemacht. Der Sonderpreis für Ökonomie folgt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr