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"Ich mache Filme für den Planeten Erde"

Kultregisseur Quentin Tarantino wird 50

Regisseur Quentin Tarantino (picture alliance / dpa /Hubert Boesl)
Regisseur Quentin Tarantino (picture alliance / dpa /Hubert Boesl)

In seinen Filmen spritzt das Kunstblut nur so über die Leinwand. Es schadet seinem Ansehen als Autorenfilmer aber nicht. Gerade hat Quentin Tarantino seinen zweiten Drehbuch-Oscar für den Sklavenwestern "Django Unchained" eingeheimst. Heute feiert der Regisseur seinen 50. Geburtstag.

"Er hat so viele Informationen über Filme in seinem Kopf wie kein anderer", bescheinigte ihm 2003 "Kill Bill"-Darstellerin Daryl Hannah. "Es ist unwirklich, einfach krank!" Kein Wunder: Anstatt einen Schulabschluss zu machen, ging der junge Quentin Tarantino lieber in die Ghettokinos von Los Angeles, sah Dutzende von Kung-Fu-Streifen und Clint-Eastwood-Western.

Regisseur Quentin Tarantino, links, und Schauspielerin Uma Thurman, rechts, auf dem Weg zur Europa-Premiere seines neuen Films "Kill Bill" in Berlin (AP)Tarantino mit "Kill Bill"-Star Uma Thurman in Berlin. (AP)Der Filmfreak nahm Schauspielunterricht und besuchte einen Regieworkshop in Sundance, wo Robert Redford das jährliche Festival für Independentfilme ausrichtet. 1992 war Tarantino am Ziel: Sein Sundance-Debüt "Reservoir Dogs - Wilde Hunde", ein Gangster-Kammerspiel, war sein erster Kinoerfolg.

Zwei Jahre später erschien dann "Pulp Fiction" mit den Hollywoodgrößen John Travolta und Bruce Willis – die Blutorgie wurde bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes zum Siegerfilm gekürt. Von "Kill Bill", der den Rachefeldzug einer Braut erzählt, erschien sogar ein zweiter Teil.

Literweise Kunstblut

Die Fäden behält er gerne selbst in der Hand – als Autorenfilmer schreibt Quentin Tarantino Drehbücher, führt Regie, ist häufig Produzent und übernimmt auch gerne mal kleine Nebenrollen. Acht Filme hat der US-Amerikaner bereits gedreht und sich längst den Status eines Kultregisseurs erworben.

Kritiker werfen ihm Blutrünstigkeit vor – denn bei fast keinem anderen fließt so viel Kunstblut wie in Tarantinos Filmen. Andererseits werden immer wieder seine brillanten Dialoge wie auch sein Witz als Markenzeichen hervorgehoben. Tarantino sagte einmal von sich selbst: "Ich stehe immer kurz davor, meine Arbeiten als Komödien zu bezeichnen."

Nazijäger und Sklaventreiber

Doch teilweise sind es harte Brocken der Geschichte, die sich Tarantino vorgenommen hat. Beispielsweise knüpfte er sich die Nazis vor. Mit "Inglourious Basterds" habe er sich einen lange gehegten Traum erfüllt, sagte Tarantino 2009 bei der Premiere in Cannes: "Die Macht des Kinos besiegt das Dritte Reich." Der Film mit vielen deutschen Schauspielern wurde überwiegend im Studio Babelsberg gedreht. Christoph Waltz faszinierte als fieser SS-Oberst und erhielt einen Oscar.

DJango Unchained - ein Western von Quentin Tarantino. (picture alliance / dpa)Szene aus "Django Unchained", hier Jamie Foxx und Kerry Washington (picture alliance / dpa)Mit dem Sklavenwestern "Django Unchained" rechnete Tarantino jetzt mit der düsteren Vergangenheit der USA ab. Seine Hommage an das Genre des Italowesterns spielt vor dem Hintergrund der Sklaverei, "damit man die Brutalität wirklich sieht, mit der Amerikaner ihre schwarzen Sklaven behandelt haben", sagte er bei der Deutschlandpremiere in Berlin. Sogar ein großer Schatz deutscher Kultur wird in dem Film erwähnt: das Nibelungenlied. Waltz war wieder dabei - für seine Rolle als Kopfgeldjäger Dr. Schultz aus Düsseldorf erhielt er erneut den Oscar.

Tarantino: Bei Gewalt im Film kommt es auf die richtige Balance an

In einem Deutschlandfunkinterview sagte Tarantino, grundsätzlich gebe es Gewalt, die schwer anzusehen sei und Gewalt, die Spaß mache, weil sie befreiend wirke. Es komme auf die richtige Balance an.

Mit dem Oscar für das beste Drehbuch in der Hand trat Tarantino im Februar mit zerzausten Haaren vor die Journalisten: Er sei stolz darauf, ein internationaler Filmemacher zu sein. "Ich mache Filme für den Planet Erde."


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr