In Ägypten eskaliert die Gewalt

Ausschreitungen am Jahrestag der Revolution

Demonstranten in Kairo  (picture alliance / dpa / Andre Pain)
Demonstranten in Kairo (picture alliance / dpa / Andre Pain)

Wieder Tote in Ägypten: Bei den Kundgebungen zum zweiten Jahrestag des Volksaufstandes sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Landesweit gab es mehr als 400 Verletzte.

Die Proteste in der Hauptstadt Kairo und in anderen Teilen des Landes richteten sich gegen Staatschef Mohammed Mursi und die Muslimbruderschaft. Vor dem Präsidentenpalast in Kairo setzte die Polizei TV-Berichten zufolge Tränengas gegen die Demonstranten ein. Später fielen auch Schüsse.

In der Stadt Suez bestätigten Ärzte und Rettungskräfte, dass mindestens sechs Menschen erschossen wurden. Unter den Toten soll auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sein. In Ismailia wurde ebenfalls ein Mensch getötet.

"Nieder mit der Macht des Führers"

Vor zwei Jahren fragten sich nicht nur Nahostexperten, ob die Revolution in Tunesien auf die anderen Staaten der Region übergreifen könnte. Am 25. Januar 2011 bekamen sie die Antwort: Tausende gingen in den Städten Ägyptens auf die Straße, um gegen Machthaber Hosni Mubarak zu demonstrieren. Zwei Jahre später stehen wieder Tausende auf den Straßen: Diesmal skandieren sie gegen Präsident Mohammed Mursi: "Nieder mit der Macht des Führers".

Damals war es bei Rangeleien geblieben. Diesmal lieferten sich Regierungsgegner und Polizisten gewalttätige Auseinandersetzungen. Von zahlreichen Plätzen und Moscheen kamen zehntausende Menschen zum geschichtsträchtigen Tahrir-Platz, wo die zentrale Kundgebung stattfinden sollte. Einige von ihnen schleuderten Brandsätze auf Polizisten und versuchten, die im vergangenen Monat wegen der Proteste gegen den umstrittenen Verfassungsentwurf errichtete Betonmauer vor dem Regierungsviertel zu durchbrechen.

Einrichtung der Muslimbrüder attackiert

Polizisten sichern eine Straße am Vorabend des zweiten Jahrestags des Beginns der ägyptischn Revolution ab (picture alliance / dpa / Ahmed Khaled)Die ägyptische Polizei in Alarmbereitschaft (picture alliance / dpa / Ahmed Khaled)Darüber hinaus versuchten Demonstranten nach Angaben der Muslimbrüder, ein Büro der Organisation im zentralen Stadtteil Tawfikija zu stürmen. In Ismailia wurde die örtliche Zentrale der den Muslimbrüdern nahestenden Freiheits- und Gerechtigkeitspartei in Brand gesetzt, der auch Mursi angehört.

Auch in Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes, gab es Unruhen. Demonstranten steckten Reifen in Brand, die Polizei setzte Tränengas ein, wie Augenzeugen berichteten. In Suez am Zugang zum gleichnamigen Kanal bewarfen Demonstranten den Sitz der Regionalverwaltung mit Steinen, woraufhin auch hier die Polizei Tränengas einsetzte.

"Regierungsgegner respektieren demokratische Spielregeln nicht"

Zahlreiche Ägypter werfen der neuen Führung um den Islamisten Mursi vor, die Ziele der Revolution von 2011 verraten zu haben. Ihrer Ansicht nach versucht Mursi zusammen mit den Muslimbrüdern Ägypten auf Kosten der säkularen Kräfte im Land zu dominieren.

Die Muslimbrüder weisen die Kritik zurück. Sie sehen sich durch ihren Wahlsieg bestätigt und werfen ihren Gegnern vor, die demokratischen Spielregeln nicht zu respektieren.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr