Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 17.09.2012

Inselstreit: Heftige Proteste gegen Japan in China

Japanische Werke in China geschlossen

Streit über Territorialrechte der unbewohnten Inselgruppe zwischen China und Japan (picture alliance / dpa / Hiroya Shimoji)
Streit über Territorialrechte der unbewohnten Inselgruppe zwischen China und Japan (picture alliance / dpa / Hiroya Shimoji)

Der Inselstreit zwischen Japan und China spitzt sich weiter zu. Nachdem Demonstranten am Wochenende in China japanische Autohäuser und Fabriken in Brand gesteckt und die japanische Botschaft angegriffen haben, stoppten die Unternehmen Canon und Panasonic vorübergehend ihre Produktion in der Volksrepublik. US-Verteidigungsminister Leon Panetta mahnt zur Besonnenheit.

Inseln ökonomisch und strategisch wichtig

In China war es am Wochenende zu gewaltsamen anti-japanischen Protesten gekommen. Tausende Menschen demonstrierten in Peking und mehr als zwanzig weiteren Städten gegen die japanische Politik. Hintergrund ist der Streit zwischen beiden Ländern um eine Inselgruppe, die in China Diaoyu und in Japan Senkaku heißt. Vier der fünf Inseln waren bislang in japanischem Privatbesitz, eine gehört der Stadt Tokio. Die japanische Regierung beschloss in der vergangenen Woche, drei der Inseln in Privatbesitz zu kaufen. China sieht darin eine Zementierung der Besitzansprüche. Am Meeresgrund um die Inseln werden wichtige Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Auch Taiwan beansprucht die Inseln, die zwar unbewohnt, aufgrund ihrer Mittellage zwischen Japan und China jedoch strategisch wichtig sind.

Canon und Panasonic setzen Produktion in China aus

Die japanische Botschaft in Peking forderte alle Japaner in China auf, verstärkt auf ihre Sicherheit zu achten, nicht allein auszugehen und in ihrer Muttersprache keine lautstarken Unterhaltungen zu führen. Die japanischen Unternehmen Canon und Panasonic schlossen wegen der Ausschreitungen vorübergehend die Fertigung in einigen chinesischen Werken. Das Unternehmen stelle die "Sicherheit aller unserer Angestellten" obenan, erklärte Canon bei der Bekanntgabe der Schließung dreier Standorte für zwei Tage.

China ist Japans wichtigster Handelspartner. Das Volumen des Handelsaustauschs belief sich 2011 auf umgerechnet rund 240 Milliarden Euro. In dem Streit mit Japan um unbewohnte Inseln im Pazifik droht die Volksrepublik seinem Handelspartner offen mit einem Wirtschaftskrieg.

USA drängt auf friedliche Lösung

Der Streit um das Territorium belastet die Beziehungen zwischen Peking und Tokio schwer, die USA sind alarmiert. US-Verteidigungsminister Leon Panetta drängte bei einem Besuch in Japan auf eine friedliche Lösung des Inselstreits. Beide Seiten müssten Wege zur Beilegung ihrer Differenzen finden, sagte er in Tokio. Sein Aufenthalt in Japan hatte nicht auf dem ursprünglichen Reiseplan gestanden. Der US-Verteidigungsminister sagte in Japan, die US-Regierung wolle sich in dem Streit um die Inselgruppe nicht auf eine Position festlegen. Zugleich versicherte er seinem japanischen Kollegen Koichiro Gemba jedoch, die USA stünden zu ihren Bündnisverpflichtungen. Diese seien "langfristig - und daran ändert sich nichts". In Japan sind 47.000 US-Soldaten stationiert.

Hinter dem Streit steckt mehr als die Inseln

Die Diaoyu- oder Senkaku-Inseln liegen in sehr fischreichen Gewässern. Weiter geht es um Bodenschätze, Gas und Öl. Trotzdem spielen hier nicht nur ökonomische Gründe eine Rolle: Noch mehr scheint es den Demonstranten um ihren chinesischen Nationalstolz zu gehen. Sie empfinden es als unerträglich, dass ausgerechnet der "Erzfeind Japan" angeblich chinesisches Territorium besetzt hält. Der Hass auf Japan ist auch bei vielen jungen Menschen in China lebendig.

Die anti-japanischen Ressentiments wurzeln in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Dem brutalen Überfall der Japaner fielen mindestens 20 Millionen Chinesen zum Opfer. Zu einer Aussöhnung zwischen beiden Ländern kam es nie. Viele Chinesen haben das Gefühl, dass Japan seine Schuld nach wie vor nicht anerkennen will. Am Dienstag wird mit weiteren Protesten gerechnet. Denn immer am 18. September erinnert China an den Mukden-Zwischenfall, der die japanische Invasion Nordostchinas im Jahr 1931 nach sich zog.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr