Irisches Parlament stimmt für Abtreibungsgesetz

Schwangerschaftsabbruch in Ausnahmefällen möglich

Abtreibungsgegner kritisieren die Parlamentsentscheidung in Irland (AFP / PETER MUHLY)
Abtreibungsgegner kritisieren die Parlamentsentscheidung in Irland (AFP / PETER MUHLY)

Es ist ein großer Schritt im katholisch-geprägten Irland. Zum ersten Mal hat das Parlament einem Gesetz zugestimmt, das Abtreibungen erlaubt. Der Tod einer Frau hatte Ende vergangenen Jahres die Debatte darüber wieder angefacht. Endgültig beschlossen ist das Gesetz aber erst, wenn auch das irische Oberhaus zustimmt.

Am Ende war es dann doch eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten, die für das Gesetz stimmte. Mit 127 zu 31 Stimmen wurde es verabschiedet. Die Parlamentarier haben sich für die Entscheidung viel Zeit genommen. Seit Mittwoch hatte es - mit Unterbrechungen - stundenlange Debatten gegeben, teilweise bis in die Nacht. Erst am früheren Freitagmorgen stand das Ergebnis. Die irische Europaministerin Lucinda Creighton trat nach der Abstimmung zurück - sie sprach sich gegen die Pläne aus.

Gesetz greift auch bei selbstmordgefährdeten Schwangeren

Das Gesetz sieht vor, dass schwangere Frauen in Irland abtreiben können, wenn ihr eigenes Leben gefährdet ist, sie also in medizinisch lebensbedrohlichen Situationen sind. Es gilt aber auch für werdende Mütter, die suizidgefährdet sind. Wie die britische BBC berichtet ist in diesem Fall aber eine weitere Hürde eingebaut: Drei Ärzte müssen unabhängig voneinander bestätigen, dass eine betroffene Frau diesem Risiko unterliegt. "Auch Vergewaltigungsopfern bleibt nach wie vor eine Abtreibung verwehrt", sagt Hörfunk-Korrespondent Torsten Huhn im Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur. "Da sind in Irland bei diesem Gesetz noch weitere Schritte nötig."

Die Gegner des Abtreibungsgesetzes in Irland befürchten, dass nun nach und nach immer mehr Ausnahmen hinzukommen und die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche steigt. Den Befürwortern gehen die neuen Regeln dagegen nicht weit genug. Sie fordern, dass Abtreibungen ebenfalls bei Schwangerschaften nach Vergewaltigungen oder starken Missbildungen des Kindes erlaubt werden. Statistiken des britischen Gesundheitsministeriums zeigen, dass 2012 etwa 4000 schwangere Frauen aus Irland nach Großbritannien gereist sind, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen.

Irische Regierungen ließen Thema lange unbeachtet

Die Regelung, die das irische Parlament jetzt beschlossen hat, gilt eigentlich schon seit 1992 - allerdings nur auf Basis eines Gerichtsurteils. Damals hatte der Oberste Gerichtshof es Ärzten erlaubt, eine Abtreibung vorzunehmen, wenn das Leben der werdenden Mutter gefährdet ist. Allerdings hatten die Regierungen in Irland das Thema seitdem nicht angegangen und so wurde es nie in die Gesetzesbücher übertragen.

Gedenkdemonstration für Savita Halappanavar, die am 28. Oktober 2012 starb, weil irische Ärzte eine Abtreibung ablehnten. (picture alliance / empics)Gedenkveranstaltung für die Frau, die nach einer Fehlgeburt in Irland gestorben war. (picture alliance / empics)Neuen Auftrieb bekam die Diskussion über Schwangerschaftsabbrüche in Irland im vergangenen Oktober. Eine aus Indien stammende Zahnärztin war nach einer Fehlgeburt an einer Blutvergiftung gestorben. Ärzte hatten ihr zuvor verweigert, das Kind abzutreiben. Nach Angaben des Ehemannes sagten die Mediziner seiner Frau damals, dass das mit Blick auf die Rechtslage nicht möglich sei. Irland sei "ein katholisches Land". Nach dem Tod der 31-Jährigen hatte es schließlich Massendemonstrationen gegeben. Danach arbeitete die konservativ-sozialdemokratische Regierung in Irland einen Gesetzentwurf aus.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr