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Islamischen Religionsunterricht aus den Hinterhöfen holen

Innenminister Friedrich lud zur Islamkonferenz

Eine deutsche und eine türkische Flagge wehen vor dem Minarett einer Moschee im Stadtteil Hassel in Gelsenkirchen. (AP)
Eine deutsche und eine türkische Flagge wehen vor dem Minarett einer Moschee im Stadtteil Hassel in Gelsenkirchen. (AP)

Unter Vorsitz des neuen Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich hat in Berlin die Islamkonferenz stattgefunden. Im Mittelpunkt des Treffens standen ein bekenntnisorientierter Religionsunterricht an öffentlichen Schulen sowie Islamische Studien an Hochschulen. Außerdem ging es um die Fortbildung von Imamen in Deutschland.

An der Konferenz nahmen Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen sowie muslimische Verbände und Persönlichkeiten teil. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland war nicht vertreten. Dessen Vorsitzender Mazyek kritisierte in der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf, bisher habe es keine substanziellen Fortschritte gegeben, was die Gleichstellung der Muslime hierzulande betreffe.

Wolfgang Schäuble hatte die Konferenz einst ins Leben gerufen. Als damaliger Bundesinnenminister wollte er die Kulturen zusammenführen. Der Neue im Amt, Hans-Peter Friedrich, hat wohl endgültig die Chance verpasst, das fortzuführen, kommentiert der Deutschlandfunk.

Vor Beginn hatte CSU-Politiker Friedrich deutlich gemacht, dass in Deutschland lebende Muslime selbstverständlich zur Gesellschaft gehören. Es bleibe aber dabei, dass die geistige, religiöse und kulturelle Identität christlich-abendländisch geprägt sei, sagte Friedrich im ARD-Fernsehen.

Anfang März hatte der Minister erklärt, dass der Islam zu Deutschland gehöre, lasse sich historisch nicht belegen. Damit zog er den Unmut muslimischer Verbände auf sich.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr