Israel setzt Razzien im Westjordanland fort

Ein Toter bei Feuergefecht

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas besichtigt das zerstörte Gefängnis von Jericho. (AP)
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas besichtigt das zerstörte Gefängnis von Jericho. (AP)

Die israelische Armee ist im Westjordanland erneut gegen radikale Palästinenser vorgegangen. Ein Soldat wurde nach israelischen Angaben bei einem Feuergefecht im Flüchtlingslager Dschenin getötet.

Vier gesuchte Extremisten ergaben sich kurz darauf. Sie sollen dem Islamischen Dschihad und den Al-Aksa-Brigaden angehören. Am Dienstag hatte die israelische Armee ein Gefängnis in Jericho gestürmt und damit gewalttätige Proteste der Palästinenser ausgelöst.

Tausende Palästinenser protestieren gegen Gefängnis-Erstürmung


In den palästinensischen Autonomiegebieten hatten am Mittwoch wieder Tausende Menschen gegen den israelischen Armeeinsatz im Gefängnis von Jericho protestiert. In Ramallah, Nablus und Hebron im Westjordanland zogen Demonstranten durch die Straßen. Ein Aufruf zum Streik wurde weitgehend befolgt.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nannte den Militäreinsatz und die Verschleppung des Extremistenführers Saadat eine unverzeihliche Straftat. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Josep Borrell, sprach von einer unnötigen und illegalen Aktion. Alle Ausländer, die nach dem Militäreinsatz entführt worden waren, sind wieder auf freiem Fuß.

Nahost-Beauftragter Wolfensohn warnt vor Einstellung der Palästinenser-Hilfe


Der Beauftragte des Nahost-Quartetts, James Wolfensohn, hat vor einer Einstellung der internationalen Finanzhilfen für die Palästinenser gewarnt. Die Autonomiebehörde stünde dann vor dem finanziellen Kollaps, sagte Wolfensohn vor einem Ausschuss des US-Senats in Washington. Einerseits sollte zwar kein Geld gezahlt werden, solange die radikal-islamische Hamas nicht auf Gewalt verzichte und Israel nicht anerkenne.

Andererseits sei ein Frieden nur schwer vorstellbar, wenn eine Million Palästinenser-Kinder wegen geschlossener Schulen auf der Straße stünden, es in den Palästinensergebieten keine Gesundheitsversorgung mehr gebe und die Infrastruktur zusammenbreche, betonte Wolfensohn. Die Unterstützung aus dem Ausland bezifferte er auf 70 Millionen Dollar monatlich. Zum so genannten Nahost-Quartett gehören außer den USA die Europäische Union, die Vereinten Nationen und Russland.

Nahost-Experte sieht keine Entspannung zwischen israelischer und palästinensischer Regierung


Angesichts der jüngsten Ereignisse glaubt der Nahost-Experte Volker Perthes, dass frühestens nach den Wahlen in Israel am 28. März eine Entspannung zwischen Israel und Palästina zum Tragen kommen kann. Die unsichere Lage in den palästinensischen Autonomiegebieten nach dem Sieg der Hamas führe gleichzeitig dazu, dass dort die Verunsicherung, Anarchie und Regellosigkeit zunähmen, sagte Perthes im Deutschlandfunk.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:15 Uhr