Israel startet Operation "Säule der Verteidigung" gegen die Hamas

Armee tötet Militärchef der Palästinenserorganisation

Bei dem gezielten Angriff auf das Auto des Hamas-Militärchefs wurde auch sein Leibwächter getötet. (picture alliance / dpa / Ali Ali)
Bei dem gezielten Angriff auf das Auto des Hamas-Militärchefs wurde auch sein Leibwächter getötet. (picture alliance / dpa / Ali Ali)

Die israelische Armee hat den Chef des militärischen Arms der Hamas getötet - der Auftakt einer größeren Militäraktion. Zur Begründung sagte die Regierung, Ahmed al-Dschaabari sei direkt verantwortlich für die Ausführung von Terrorangriffen.

"Wenn wir nicht in Ruhe leben können, dann sollen sie auch nicht in Ruhe leben können. Wenn unser Leben die Hölle ist, wird ihr Leben es auch sein", unterstrich Israels Innenminister Eli Jischai. Hintergrund seiner Äußerung sind die Aktionen des militärischen Arms der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Neben zahlreichen tödlichen Anschlägen auf Israelis in der Vergangenheit, wird das südliche Staatsgebiet Israels immer wieder von Gaza aus mit Raketen beschossen. Zuletzt hatte der Beschuss deutlich zugenommen, was in den letzten Wochen bereits mehrfach zu Vergeltungsaktionen der israelischen Truppen geführt hat.

So offen wie dieses Mal ist Israel aber lange nicht gegen die Hamas vorgegangen: Die Luftwaffe flog mehrere Angriffe auf den Gazastreifen. Bei einem Manöver bombardiert sie gezielt das Auto von Ahmed al-Dschaabari. Der israelische Inlandsgeheimdienst macht ihn für eine Reihe von Terrorangriffen verantwortlich. Außerdem wird er für die fünf Jahre währende Geiselhaft des israelischen Soldaten Gilad Schalit verantwortlich gemacht, führt unser Korrespondent Peter Kapern aus.

Netanjahu: Wir sind bereit, den Einsatz auszuweiten

Eine Militärsprecherin verkündete über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter den Beginn eines "Einsatzes gegen Terrororganisationen" im Gazastreifen. Die Sprecherin sagte, Ziel des seit längerem geplanten Einsatzes mit Namen "Säule der Verteidigung" sei es, "die Kommando- und Kontrollkette der Hamas-Führung und ihrer terroristischen Infrastruktur ernsthaft zu beeinträchtigen". Unterdessen kündigte Premier Benjamin Netanjahu an, sein Land sei bereit, die Operation auszuweiten.

Die bisherige Bilanz sieht laut Medienberichten so aus, dass bei mehr als 20 Luftangriffen insgesamt acht Palästinenser in dem Gebiet am Mittelmeer starben. 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Israels Präsident Shimon Peres unterrichtete unterdessen US-Präsident Barack Obama über die Militäraktion. Nach Angaben seines Büros hat er ihm mitgeteilt, dass Israel kein Interesse daran habe, Öl ins Feuer zu gießen. Zuletzt habe es jedoch ein ununterbrochenes Raketenfeuer auf Israel gegeben. Mütter und Kinder hätten nicht mehr in Ruhe schlafen können.

Hamas-Anhänger fordern Rache

Die israelische Regierung rechnet mit Vergeltungsschlägen radikaler Palästinenser. Vor dem Krankenhaus, in dem auch der Leibwächter des Militärchefs seinen Verletzungen erlag, protestierten Anhänger der Hamas und ihres bewaffneten Arms, der Essedin-al-Kassam-Brigaden. Sie verlangten Rache und drohten mit einem massiven Gegenschlag. Mit der Tötung al-Dschaabaris habe Israel "das Tor zur Hölle geöffnet". Israelischen Medienberichten zufolge gingen bereits dutzende Raketen in Israel nieder. Hunderttausende Menschen hätten Zuflucht in Schutzräumen gesucht. Autos in der Stadt Beerscheva gingen in Flammen auf, mehrere Gebäude seien getroffen worden. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Der Historiker Moshe Zuckermann warnte im Deutschlandfunk, die Dynamik könne zu einem Einmarsch Israels im Gazastreifen führen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bat um eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga. Wie es heißt, bereitet diese nun für Samstag eine Zusammenkunft der Außenminister vor. Das Nachbarland Ägypten bestellte den israelischen Botschafter ein und berief seinen eigenen aus Israel zurück. Präsident Mohammed Mursi verlangte die umgehende Einberufung des UNO-Sicherheitsrates. Sein Außenminister Mohammed Amr forderte die Regierung in Jerusalem auf, die Militärschläge sofort zu beenden. Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow pochte auf einen Stopp der Angriffe.

Washington verteidigt Israel

Die USA stärkten Israel derweil den Rücken. Das Außenministerium in Washington erklärte, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Allerdings sei die israelische Regierung aufgerufen, zivile Opfer so weit wie möglich zu vermeiden. Zugleich verurteilte die US-Regierung die Raketenangriffe radikaler Palästinenser aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels.

Ein Sprecher der Vereinten Nationen betonte, sowohl die palästinensische Hamas als auch Israel müssten das Völkerrecht respektieren und den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich ebenfalls. Es dürfe nicht zu einer neuen Spirale der Gewalt kommen, mahnte er: "Wir verfolgen mit sehr großer Sorge diese grenzüberschreitenden Auseinandersetzungen."

Die radikalislamische Hamas regiert den schmalen Gazastreifen seit 2007. Sie wird von mehreren Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft. Nach Schätzungen gehören ihr bis zu 40.000 Kämpfer an.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr