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"Jetzt bin halt ich dran"

Der Komponist, Pianist und Sänger Reinhard Lakomy ist tot

Der Sänger Reinhard Lakomy (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)
Der Sänger Reinhard Lakomy (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)

Der Musiker Reinhard Lakomy ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 67 Jahre alt. Als einer der bekanntesten und vielseitigsten Musiker in der DDR hatte er rund 40 Jahre ganze Generationen mit seiner Musik begeistert.

Der Komponist, Pianist und Sänger Reinhard Lakomy ist am Samstag in seinem Haus in Berlin-Pankow im Alter von 67 Jahren gestorben, wie Lakomys Familie und Management mitteilten. Lakomy war einer der bekanntesten DDR-Musiker. Zu den bekanntesten Werken des gebürtigen Magdeburgers gehört die 1980 erschienene Liedersammlung für Kinder "Der Traumzauberbaum". Die Geschichtenlieder waren seinerzeit in Millionenauflage verkauft und in meist vollen Theater- und Konzerthäusern aufgeführt worden.

Zuletzt hatte die Familie des Künstlers mitgeteilt, dass der Liedermacher an Lungenkrebs erkrankt sei. "Rosenmontag teilten uns die Ärzte die Diagnose mit. Eine OP ist nicht mehr möglich", hatte Lakomys Ehefrau, die Sängerin Monika Erhardt-Lakomy erst vor wenigen Tagen erklärt.

Kinder und Erwachsene liebten seinen "Traumzauberbaum"

Lakomy hatte Jahrzehnte seine Fans begeistert. Er komponierte Musicals, Ballett- und Filmmusiken. Hunderttausende Kinder und Erwachsene liebten seine "Traumzauberbaum"-Revue.

Schon als Kind mit vier Jahren bekam der gebürtige Magdeburger Klavierunterricht. Später studierte er an der Dresdner Musikhochschule.

Mit 21 gehörte der Pianist zu den Gründern des Günther-Fischer-Quartetts. Fünf Jahre später, 1972, kam mit dem Ohrwurm "Heute bin ich allein" der Durchbruch als Sänger. Ganz besonderen Erfolg feierte er mit seinen Kinderliedern. Die Waldgeister Waldwuffel und Moosmutzel kannte in der DDR fast jedes Kind. Die Schallplatte mit den Liedergeschichten vom "Traumzauberbaum" war begehrt.

Als einer der kreativsten und eigenwilligsten Künstler des Ostens komponierte Lakomy zudem Musicals, Musik für Ballett und Film sowie elektronische Musik.

Von Bühne zu Bühne

"Wir hatten damals mindestens 15, manchmal auch 21 Konzerte im Monat", hatte er noch vor einiger Zeit zurückgeblickt. Während im Garten seines Hauses alles geblüht habe, sei er ständig auf Achse gewesen - und an dem großen Pensum verzweifelt. "Da habe ich gesagt: Ihr könnt mich jetzt alle Mal!", hatte der Individualist und Freizeit-Kapitän gesagt. Er zog sich für einige Jahre in sein Studio zu Hause zurück. Nach der Wende tourte er wieder von Bühne zu Bühne.

Allerdings ärgerte er sich über die Bedingungen des westlichen Musikgeschäfts, klagte über eine zunehmende Amerikanisierung der Rundfunk-Musikprogramme und über die schlechten Chancen für deutsche Musik im Radio. Er erklärte es zu einem seiner Prinzipien, sich nicht via Boulevardmedien oder Privatsender selbst ins Gespräch zu bringen.

"Jeder muss mal sterben "

Umso überraschender kam dann vor kurzem ein großes Interview mit der "Super Illu", in dem er seine Krebs-Erkrankung öffentlich machte. "Jeder muss mal sterben, und jetzt bin halt ich dran", sagte er.

"Chemotherapie und lebenserhaltende Maßnahmen lehnt mein Mann ab", hatte seine Frau gesagt. Lakomy habe sich aber noch daran gemacht, die Arrangements für seine Show umzuschreiben, damit auf der Bühne alles nahtlos ohne ihn weitergehen könne. Die "Traumzauberbaum"-Tournee des Reinhard-Lakomy-Ensembles, auf der bis November 2014 rund 60 Auftritte geplant seien, solle weitergehen.

Links auf dradio.de:

Die ungebrochene Popularität eines Kindermusicals- Reinhard Lakomy auf Traumzauberbaum-Jubiläumstournee

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr