Joe Kaeser soll bei Siemens übernehmen

Peter Löscher tritt nach sechs Jahren ab

Joe Kaeser soll bei Siemens übernehmen. (picture alliance / dpa / Stephan Goerlich)
Joe Kaeser soll bei Siemens übernehmen. (picture alliance / dpa / Stephan Goerlich)

Der bisherige Siemens-Chef Peter Löscher wird abgelöst. Der Aufsichtsrat soll am Mittwoch über einen neuen Konzernchef entscheiden. Übereinstimmenden Berichten zufolge übernimmt Finanzvorstand Joe Kaeser die Nachfolge - ein Denker und Stratege.

Joe Kaesers Berufung auf den Siemens-Chefsessel ist so gut wie sicher. Der 56-Jährige könne auf eine Mehrheit im Aufsichtsrat bauen, berichteten unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Süddeutsche Zeitung" und die "Welt am Sonntag" in ihren Online-Ausgaben. Auch laut "Handelsblatt Online" folgt Kaeser auf Löscher - die Zeitung zitiert einen Siemens-Manager: "In der momentanen Situation ist das die beste Lösung". Kaeser kenne Siemens wie kaum ein anderer. Der Konzern wollte die Berichte jedoch nicht kommentieren.

Laut "Handelsblatt" soll Kaeser dauerhaft bei Siemens übernehmen - nicht nur übergangsweise. Offiziell sei allerdings noch nicht mit ihm gesprochen worden, auch eine Zusage von ihm stehe noch aus. Kaeser gilt sowohl als analytischer Denker und Stratege als auch als hervorragender Siemens-Kenner. Er hatte in der Vergangenheit deutlicher auf die Lage des Unternehmens hingewiesen als Löscher und dabei auch Zweifel an dessen Vorgaben geäußert. Auch bei Börsenhändlern ist Kaeser angesehen.

Kaeser rechnete an Siemens-Gewinnzielen mit

Und dennoch würde er sein Amt auch nicht völlig unbelastet antreten, sollte er die Mehrheit im Aufsichtsrat bekommen: Der Manager war an den Gewinnrechnungen beteiligt, deren wiederholte Korrektur Löschers Aus vorausgingen. Allerdings soll Kaeser die Aufsichtsräte schon vor Monaten auf Defizite hingewiesen haben, berichtet die "Börsen-Zeitung".

Kaeser, der gebürtig aus Niederbayern stammt und eigentlich Josef Käser heißt, hat sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht. Zuvor studierte er Betriebswirtschaftslehre auf Diplom. Seit 2006 arbeitet er als Finanzvorstand unter dem damaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Damit hat er sich als einziger Manager aus der alten Führungsgarde in Deutschlands größtem Elektrokonzern gehalten.

Aus für Löscher kam nach Marathon-Sitzung

Der Aufsichtsrat des Elektrokonzerns werde in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch (31.07.2013) über das vorzeitige Ausscheiden Löschers beschließen, hatte das Unternehmen am späten Samstagabend nach einer Marathon-Sitzung des Kontrollgremiums in München mitgeteilt. Erst vor wenigen Tagen hatte Siemens mitgeteilt, dass das Unternehmen sein Margenziel für 2014 nicht erreichen werde. Es war bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten.

Die Börse reagierte prompt: Die Aktie ging auf Talfahrt und verlor binnen kurzer Zeit fünf Milliarden Euro an Wert. Aus Sicht des Kapitalmarktes wurde dieses Fiasko offensichtlich Konzernchef Peter Löscher angerechnet, berichtet Stephan Lina im Deutschlandradio Kultur.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr