Kein Frieden nach dem Frühling

Vor zwei Jahren wurde Ägyptens "Pharao" Mubarak gestürzt

Unversöhnliche Fronten, auch zwei Jahre danach. (picture alliance / dpa / Ahmed Khaled)
Unversöhnliche Fronten, auch zwei Jahre danach. (picture alliance / dpa / Ahmed Khaled)

Für den zweiten Jahrestag des Rücktritts von Hosni Mubarak haben Oppositionsgruppen wieder zu Massendemonstrationen aufgerufen. Ägypten bleibt tief gespalten, das Land kommt nicht zur Ruhe.

Wieder treibt es die Menschen auf die Straße, wieder soll sich der Unmut Tausender am zentralen Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast in Kairo entladen. Die Oppositionellen fordern den Rücktritt des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi und die Bildung einer neuen Regierung.

Die Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber: Radikale Islamisten wollen einen Gottesstaat, die regierende Muslimbruderschaft will mit Mursi vor allem an der Macht bleiben und die Opposition fordert einen säkulären Staat, den wiederum die Mehrheit ablehnt.

Sehnsucht nach Sicherheit, Stabilität und einem besseren Leben

Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)In Untersuchungshaft: Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)Das Volk indes will vor allem Sicherheit und Stabilität, lehnt jedoch die Polizei kategorisch ab. Zu präsent sind die Erinnerungen an den Apparat des langjährigen Machthabers Mubarak, der wegen seines autokratischen Machtgebarens bis heute im Volksmund "Pharao" genannt wird. Er sitzt in Untersuchungshaft und wartet darauf, dass der Prozess gegen ihn neu aufgerollt wird.

Das Ende des Kapitels Mubarak knüpften viele Ägypter an die Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch für einen Aufbau des kaputten Landes fehlt das Geld, die Probleme bleiben. Nach wie vor stürzen Häuser ein, die illegal hochgezogen wurden. Regelmäßig geschehen schlimme Zugunglücke, weil das Schienennetz marode ist. Gleichzeitig nimmt die Straßenkriminalität zu, bewaffnete islamistische Milizen machen den Norden des Sinai zum gefährlichen Terrain. Und der politische Stillstand verhindert ein Vorankommen.

Islamwissenschaftler: Mursi "ist auf dem rechten Auge blind"

Ein Plan indes fehlt. Ägypten werde von Politikern mit einer Mischung aus "Anmaßung und Unerfahrenheit" regiert, lautet kürzlich die Analyse des Islamwissenschaftlers Udo Steinbach im Deutschlandfunk. Sowohl was die demokratische Kompromissfähigkeit als auch die Fähigkeit, wirtschaftliche Probleme zu lösen angehe, hätten die neuen Machthaber versagt. "Man kann es vielleicht festmachen an dem, was Herr Mursi gesagt hat, als er gewählt wurde: Er sei der Präsident aller Ägypter. Und genau das ist nicht wahr, das merken die Menschen. Er ist ein Muslimbruder, er ist auf dem rechten Auge blind."

Tatsächlich ist es Mursi bislang nicht gelungen, eine Verfassung auf den Weg zu bringen, hinter der alle Ägypter stehen könnten. Weder im Bereich Demokratie noch in den Bereichen Wirtschaft und Stabilität hat er aus Sicht vieler Ägypter geliefert. Regelmäßig entlädt sich die Wut darüber in Demonstrationen, Gegendemonstrationen und gewalttätigen Krawallen. Auch zwei Jahre nach dem Arabischen Frühling hat Ägypten seinen Weg nicht gefunden.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr