Kindern Lust aufs Lesen machen

Was die lit.Cologne den Kleinen zu bieten hat

Von Kerstin Ruskowski

Die Sektion lit.kid.cologne ist auf die Iteressen von Kindern ausgerichtet.
Die Sektion lit.kid.cologne ist auf die Iteressen von Kindern ausgerichtet.

Autoren treffen, Geschichten lauschen, Fragen stellen: Das Kölner Festival lit.kid.cologne weckt bei Kindern die Freude an Literatur. Vorgestellt werden die neusten Kinder- und Jugendbücher - aber auch spannende Klassiker.

In dem fensterlosen Saal des Alten Pfandhauses in der Kölner Südstadt ist es mucksmäuschenstill. Im Scheinwerferlicht steht Erin Hunter und liest aus "Midnight" – dem ersten Buch der zweiten Staffel der "Warrior Cats", einer derzeit äußerst erfolgreichen Fantasy-Jugendbuchreihe über einen Katzenclan. An einem Tisch hinter der Autorin sitzt Marian Funk. Er übersetzt.

Doch das scheint fast nicht nötig zu sein, denn die Kinder - die meisten zwischen 10 und 13 Jahren alt - scheinen die Britin und ihren Humor auch so sehr gut zu verstehen.

"I don’t think I said all that."

Nach der Lesung ist Zeit für Fragen - schließlich sollen die Kinder die Gelegenheit nutzen, dass sie der Erfinderin der Warrior-Cats-Geschichten so nahe sind.

"Was ist Ihre Lieblingskatze?"
"Wie lange brauchen Sie durchschnittlich für ein Buch?"
"When you don’t write any more, can I write the cat’s books?"

Die zweisprachige Lesung mit Erin Hunter ist Teil des Kinder- und Jugendbuchprogramms des internationalen Literaturfestivals lit.cologne, der lit.kid.cologne. Wie auch bei den Veranstaltungen für die erwachsenen Leser geht es vor allem darum, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen. Angela Maas ist schon seit 2001, also seit der Premiere der lit.cologne, verantwortlich für das Kinder- und Jugendbuchprogramm.

"Wir haben mit den zweisprachigen Lesungen vor einigen Jahren angefangen im Klasse-Buch-Programm - wenn wir morgens Schulklassen zu Gast haben - weil die natürlich auch Englisch oder Französisch im Unterricht haben und das dann auch für die Englisch- und Französischlehrer spannend ist und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, dass die erstaunlich aufmerksam sind und sogar auch in der Sprache dann sich zu Fragen trauen."

Die Klasse-Buch-Lesungen sind ein voller Erfolg: Wenn die Organisatoren der lit.cologne im Dezember das Programm vorstellen, sind die Veranstaltungen schon knapp drei Stunden später ausverkauft, sagt Angela Maas. Was auch daran liegt, dass die Veranstaltungsorte recht klein sind: die größten Lesungen bei der lit.kid.cologne bieten Platz für maximal 250 Kinder. Und dabei soll es auch bleiben.

"Klar könnte man möglicherweise 800 Grundschüler in irgendeinen Riesensaal packen, aber da finde ich, das ist nicht mehr dem angemessen, was wir eigentlich wollen: Dass die Kinder Spaß am Lesen bekommen und auch wirklich was mitbekommen und auch ein bisschen näher am Autor oder der Autorin dran sind und das geht bei fünf-, sechshundert Kindern nicht mehr."

Bei der lit.kid.cologne lesen aber nicht nur die Autoren selbst, manchmal sind es auch Prominente. Zum Beispiel dann, wenn der Autor nicht mehr lebt. Einer von ihnen ist der Schauspieler und Musiker Oli P.: Im letzten Jahr las er zum ersten Mal vor Publikum aus den Fünf-Freunde-Büchern von Enid Blyton. 2011 ist er wieder da: mit Michael Endes Wunschpunsch.

Enid Blyton, Michael Ende - bei der lit.kid.cologne geht es nicht nur um die neuesten Kinder- und Jugendbücher. Jedes Jahr werden auch Klassiker gelesen. Die Auswahl trifft Angela Maas schon seit Jahren zusammen mit ihrer Kollegin Christiane Labonté. Doch welche Kriterien legen die beiden an, wenn sie das Programm Jahr für Jahr im Herbst zusammenstellen?

"Die Auswahl ist ausgesprochen subjektiv. Also, Bücher, die uns gefallen, haben eine große Chance, genommen zu werden. Wobei, so einfach isses jetzt auch nicht. Natürlich haben wir gute Kontakte zu den ganzen Verlagen: Wir kriegen die Verlagsvorschauen. Wir machen uns schlau: Was wird auch gerne gelesen? Was wird auch gut verkauft? Was mögen Kinder gerne?"

Und dann versuchen Angela Maas und Christiane Labonté, eine möglichst gute Mischung aus lustigen, spannenden, tiefgründigen und wichtigen Büchern zusammenzustellen. Dazu gehören in diesem Jahr Sachbücher wie "Wissen macht Ah! – Phänomenale Erfindungen" von Ralph Caspers oder "Wie Krach zu Musik wird" von Axel Brüggemann.

Aus einem tiefgründigen Buch liest die dänische Autorin Janne Teller: In ihrem Roman "Nichts. Was im Leben wichtig ist" stellt sie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Aber es werden auch lustige Bücher präsentiert: zum Beispiel das Bilderbuch "Gute Nacht, Carola". Hier gibt es nicht nur einen Autor, sondern drei – und einer davon ist nicht nur für die Kinder interessant.

"Carooola!, sagte die Stimme. Carooola!
Ja?, antwortete Carola. Was gibt’s?"

Mit seiner lebendigen Interpretation der Geschichte hat der Berliner Komiker Kurt Krömer die Kinder schnell für sich gewonnen - auch wenn die meisten ihn vor der Lesung wohl kaum gekannt haben. Die Wahl der Programmverantwortlichen war also gut. Und obwohl sie selbst auf die Bühne durfte, um ein Gesicht zu malen - eines hat der siebenjährigen Lucy am besten gefallen:

"Das Vorlesen!"

Links bei dradio.de:

Von Schiffen, Psychiatrien und Morden - Halbzeit bei der Lit.Cologne 2011



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Von Schiffen, Psychiatrien und Morden

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr