Kirche in Erklärungsnot

Immer mehr Bistümer legen ihr Vermögen offen

Der Dom zu Speyer (Stadt Speyer)
Der Dom zu Speyer (Stadt Speyer)

Die katholische Kirche in Deutschland gilt als besonders begütert. Seit dem Finanzstreit im Bistum Limburg legen nun mehr und mehr Bischöfe ihr Vermögen offen. Das höchste meldete das Erzbistum Köln mit 166 Millionen Euro.

Der Streit um die hohen Ausgaben des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst beim Umbau seines Amtssitzes beeinflusst die Auskunftspolitik der anderen Bistümer in Deutschland. Mehrere legten nun ihre Zahlen offen - zuletzt die Bistümer in Aachen, Trier und Köln. Man reagiere mit diesem Schritt auf die Verunsicherung vieler Katholiken, die sich in den vergangenen Tagen mit Sorge an ihn gewandt hätten, heißt es in einer Erklärung des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann.

Unter den veröffentlichten Vermögen steht das des Erzbistums Köln an der Spitze. An zweiter Stelle liegt Trier mit knapp 84 Millionen Euro. Hinzu kommt dort ein Immobilienbestand von 38 Gebäuden, deren aktueller Marktwert aber unbekannt ist. Aachen verfügt über immerhin mehr als acht Millionen Euro. Zuvor hatten unter anderem auch die Bistümer in Essen, Münster, Speyer und Hamburg ihre Finanzen offengelegt.

Bis zu 46,6 Millionen Euro

Demnach verfügt der Bischöfliche Stuhl in Speyer über ein Vermögen von rund 46,5 Millionen Euro. Er besteht seit der Neuerrichtung des Bistums im Jahr 1817. Lange vor Einführung der Kirchensteuer zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien aus den Mitteln die Ausgaben für bischöfliche Aufgaben und die Seelsorge in den Bistümern finanziert worden. Es handele sich um ein langfristig angelegtes Stammvermögen, das nicht angetastet werde. Es würden allein die Erträge des Vermögens verwendet. Sie kämen pastoralen und karitativen Projekten im Bistum zugute.

Nicht das gesamte Vermögen steht zu freien Verfügung

Hamburgs Bistumssprecher Nielen betonte, dass den rund 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 8,2 Millionen Euro gegenüber stünden. Lediglich rund 7,5 Millionen Euro seien ungebunden. Der Rest liege in Beteiligungen an drei katholischen Krankenhäusern sowie in Rücklagen für insgesamt fünf weitere Einrichtungen. Dazu gehörten zwei Kinder- und Jugendhäuser, ein Studentenheim sowie zwei Altenhilfeeinrichtungen.

Das erst 1995 gegründete Erzbistum Hamburg ist das flächenmäßig größte in Deutschland und umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg sowie den Landesteil Mecklenburg. In dem Bistum leben knapp 400.000 Katholiken. Die Kirchensteuereinnahmen werden im Geschäftsbericht für 2012 auf 89,8 Millionen Euro beziffert.

Reichste Kirche weltweit

Die katholische Kirche in Deutschland gehört zu den reichsten Kirchen weltweit, das Erzbistum Köln zu den reichsten Diözesen. Diese Entwicklung liegt unter anderem an der Geschichte und an den vom Staat erhobenen Kirchensteuern. Im Jahr 2012 erreichte die katholische Kirche hier einen Rekordwert von 5,19 Milliarden Euro.

Die Kirchensteuer wird aus Kostengründen vom Staat eingezogen; er erhält für diesen Dienst zwei bis vier Prozent des Aufkommens. Hinzu kommen unter anderem noch Spenden, Kollekten sowie Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen, aus Stiftungen, Pensionsfonds, Kapitalerträgen und Immobilienbesitz.

Angefacht hatte die Debatte Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Er steht unter anderem in der Kritik, weil der Neu- und Umbau seines Bischofssitzes statt der geplanten 5,5 Millionen Euro mindestens 31 Millionen Euro kosten soll. Nahezu 30 Millionen Euro sollen dabei aus dem Vermögen des Limburger Bischöflichen Stuhls stammen, dessen Höhe offiziell nicht bekannt ist.


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Letzte Änderung: 21.10.2013 23:25 Uhr