Komplize von Neonazi-Trio offenbar gefasst

Festnahme in der Nähe von Hannover

Spurensuche nach der Explosion eines Wohnhauses in Zwickau. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Spurensuche nach der Explosion eines Wohnhauses in Zwickau. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Ein 37-Jähriger aus dem Raum Hannover steht unter dringendem Verdacht, mit der Mordserie an ausländischen Kleinunternehmern in ganz Deutschland in Verbindung zu stehen. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, er sei womöglich Mitglied der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund".

Der Beschuldigtete soll am Montag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Außerdem wurde ein Haftbefehl gegen ihn beantragt. Seine Wohnung, die in der Nähe von Hannover liegt, wurde durchsucht.

Der Mann könnte ein Komplize des Neonazi-Trios sein, das Banküberfälle, die sogenannten Döner-Morde und den Polizistenmord von Heilbronn begangen haben soll. Den aktuellen Ermittlungen zufolge bestand die Gruppe aus zwei Männern und einer 36-jährigen Frau mit rechtsextremem Hintergrund. Die beiden Männer sind tot, die Frau, Beate Z., schweigt zu den Vorwürfen.

Möglich ist, dass die Gruppe auch für zwei Bombenanschläge in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2004 verantwortlich ist, konkret in Düsseldorf und für den sogenannten Nagelbomben-Anschlag in Köln-Mülheim. "Dafür gibt es einige Anhaltspunkte", sagte ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt im Deutschlandfunk. Ob die Festnahme des Mannes die Ermittler bei der Aufklärung der Verbrechen weiterbringt, ist bisher unklar.

Im Zusammenhang mit den offenbar rechtsextrem motivierten Straftaten war auch der Verfassungsschutz in die Kritik geraten - denn der hatte das Trio bereits seit vielen Jahren im Visier, sah aber offenbar keinen Handlungsbedarf. Im Deutschlandfunk übten Politiker aller Fraktionen Kritik an den Ermittlungsbehörden.


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zu mehr Wachsamkeit gegenüber dem Rechtsextremismus auf. In Leipzig sagte sie, die Vorfälle ließen bislang unvorstellbare Strukturen erkennen. Zugleich forderte sie die Behörden auf, die Ermittlungen mit größter Sorgfalt zu führen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bewertete die Taten als "Rechtsterrorismus". Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages soll sich in einer Sondersitzung mit der Aufklärung der Morde befassen.

Aktuelle Entwicklungen entnehmen Sie bitte den Nachrichten.

Mehr zum Thema bei dradio.de

Neue Beweise für Rechtsterror - <br> Verfassungsschutz in Erklärungsnot



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Neue Beweise für Rechtsterror

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr