Kompromisse im Visier

Reformen im Finanzsektor sind zentrales Thema beim G-20-Gipfel

Angela Merkel bei einem Arbeitstreffen im Vorfeld des G-20-Gipfels. (AP)
Angela Merkel bei einem Arbeitstreffen im Vorfeld des G-20-Gipfels. (AP)

Etappenerfolg beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Schwellen- und Industrieländer in Seoul: Der Konflikt um die Handelsungleichgewichte ist vorerst beigelegt.

Nachdem es wochenlang Diskussionen über die globalen Handelsungleichgewichte gab, ist nun ein Kompromiss erreicht. Es wird keine konkreten, messbaren Vorgaben und Grenzen für Handelsüberschüsse oder -defizite geben. Wie Spiegel online berichtet, "sollen stattdessen künftig die Waren- und Kapitalströme besser beobachtet und so rechtzeitig übermäßige Überschüsse und Defizite vermieden werden."

Gegenseitiges Verständnis der Staaten füreinander sieht im Interview mit dem Deutschlandfunk Roland Tichy,Chefredakteur der Wirtschaftswoche, als essenzielle Voraussetzung zur Stabilisierung der Finanzmärkte an. "Ich glaube, wir sind fair, weil Deutschland seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt, und das Kernproblem natürlich mancher Länder, wie auch der USA ist, dass ihre industrielle Kapazität und ihre industrielle Leistungsfähigkeit sich zu sehr reduziert hat, und die ist schnell nicht wiederzukriegen, die ist auch nicht mit Währungspolitik wiederzukriegen", so seine Einschätzung.

Darüber hinaus stehen strengere Regulierungen für Banken auf der G-20-Agenda. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, begrüßt dieses Vorhaben, das als Lehre aus der Finanzkrise zu ziehen sei. "Es geht jetzt auch gar nicht darum, dass in Seoul noch neue, noch kompliziertere Regeln erfunden werden, sondern es geht in erster Linie darum, dass wir diese Dinge zügig, zeitgleich und insbesondere international vereinheitlicht umsetzen", forderte er im Deutschlandfunk-Interview dazu.

US-Präsident Barack Obama und Chinas Präsident Hu Jintao bei einem Treffen am Rande des G-20-Gipfels in Seoul (AP)US-Präsident Barack Obama und Chinas Präsident Hu Jintao bei einem Treffen am Rande des G-20-Gipfels. (AP)Deutlich kritischer bewertet der Wissenschaftliche Direktor des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen, Udo Reifner, den G-20-Gipfel. Dieser laufe Gefahr, nur allgemeine Vorschläge zu beschließen, rügte er. Mehr Aufsicht, besseres Eigenkapital, bessere Staatsfinanzen seien gute Ansätze, aber ganz konkrete Vorschläge vermisse er nach Durchsicht des Kommuniqués der Finanzminister und des Fortschrittsberichts. "Also ich kämpfe seit 20 Jahren für etwas, was wir 3000 Jahre gehabt haben, nämlich Wuchergrenzen. Wir brauchen so etwas, wir können nicht den Geldmarkt mit Renditen von 30 bis 300 Prozent so tun lassen, als ob es in der Realität möglich ist, so viel Produktivität zu erwirtschaften.", erläutert Reifner seine konkrete Idee im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur.

Die schärferen Eigenkapitalregeln für Banken, die sogenannten Basel-III-Regeln, sollen auf dem G-20-Gipfel beschlossen werden. Sie sind Herzstück der Reformen im internationalen Finanzsektor, die Verabschiedung gilt als Formsache.

Ein weiteres kontroverses Gipfelthema wird der seit Wochen andauernde Währungsstreit sein, ausgelöst vor allem durch den massenhaften Ankauf von Staatsanleihen durch die US-Zentralbank. Im Vorfeld des Gipfels hat der Weltbankchef Robert Zoellick vorgeschlagen, dass sich die Wechselkurse in Zukunft wieder am Goldstandard orientieren sollen. Das würde eine Rückkehr zu einem Modell bedeuten, das vor 40 Jahren aufgegeben wurde.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr