Konkretes Angebot an Afghanistan

Bis zu 800 deutsche Soldaten sollen nach 2014 im Land bleiben

ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad in Nordafghanistan. (AP)
ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad in Nordafghanistan. (AP)

Vor allen anderen Verbündeten ist Deutschland vorgeprescht. Erstmals nennt die Bundesregierung Zahlen, wie viele Bundeswehrsoldaten auch nach 2014 in Afghanistan bleiben sollen: bis zu 800. Doch dieses Kontingent ist an mehrere Bedingungen geknüpft.

2014 sollen alle deutschen Kampftruppen Afghanistan verlassen haben – mehr als zwölf Jahre nach Beginn des Einsatzes. Das heißt aber nicht, dass keine Bundeswehrsoldaten dort bleiben werden. So viel war immer klar. Nur wie viele es sein würden, war bisher nicht bekannt. Nun hat die Bundesregierung erstmals Zahlen genannt: Für die Jahre 2015 und 2016 bietet Deutschland 600 bis 800 Soldaten an, die die afghanischen Streitkräfte ausbilden, beraten und unterstützen sollen. So lange will Deutschland auch weiterhin die internationalen Schutztruppen in Nordafghanistan führen. Ab 2017 soll die Bundeswehr dann nur noch in der Hauptstadt Kabul präsent sein – mit 200 bis 300 Soldaten. Diese Zahlen nannte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Deutschland schafft Fakten

Bisher ist völlig unklar, wie viele Soldaten aus anderen Ländern in Afghanistan bleiben werden. Die NATO rechnet zwar mit 8000 bis 12.000 Mann, die USA als stärkster Truppensteller haben jedoch bisher nicht zu erkennen gegeben, wie stark sie sich engagieren möchten. Dass die Bundesregierung jetzt vorgeprescht ist, könnte damit zusammenhängen, dass man nicht bis in den Sommer warten wollte, wenn Deutschland in der heißen Phase des Wahlkampfes ist, so die Einschätzung unseres Korrespondenten Klaus Remme.

De Maizière stellt Überlegungen zum Truppenabzug an (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)Verteidigungsminister de Maizière nennt erstmals konkrete Zahlen. (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)Die Bundesregierung knüpft ihr Engagement allerdings an Bedingungen. So brauche man eine formelle Einladung der afghanischen Regierung. "Wir wollen willkommen sein", sagte Thomas de Maizière. Außerdem sei ein deutsch-afghanisches Truppenstatut und eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates erforderlich.

Deutschland ist nach den USA und Großbritannien drittgrößter Truppensteller der internationalen Schutztruppe Isaf. Die Bundeswehr-Truppe wurde bereits von über 5000 auf derzeit 4200 Soldaten reduziert. Seit 2001 sind in Afghanistan 52 Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr