Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Konservative "FAZ" schluckt linksliberale "Frankfurter Rundschau"

Kaufvertrag unterzeichnet

Ausgabe der Frankfurter Rundschau (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Ausgabe der Frankfurter Rundschau (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Die Übernahme ist unter Dach und Fach: Die insolvente "Frankfurter Rundschau" kann weitergeführt werden. Am Vormittag unterzeichnete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen entsprechenden Kaufvertrag und verleibt sich damit auch das Anzeigengeschäft des einstigen Konkurrenten ein. Chefredakteur der "FR" bleibt Arnd Festerling.

Gestern hatte das Bundeskartellamt der Übernahme zugestimmt. Die Wettbewerbsbehörde hatte in Hinblick auf die Leser- und Anzeigenmärkte keine Bedenken. Regional könne die Marktkonzentration zwar problematisch sein, trotzdem genehmige man eine "Sanierungsfusion".

28 Redakteure will die "FAZ" übernehmen, die meisten der insgesamt rund 450 Mitarbeiter von Druckzentrum und Verlag verlieren aber ihren Arbeitsplatz. Die Berichterstattung werden sich auf den Raum Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet konzentrieren. Für den Übergang wird der überregionale Teil von der Kölner Verlagsgruppe DuMont Schauberg mit ihrer Redaktionsgemeinschaft in Berlin beliefert.

Der Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tobias Trevisan, sagte: "Als unabhängige Stimme soll die 'Frankfurter Rundschau' auch in Zukunft wesentlich zur Meinungsvielfalt beitragen." FR-Betriebsratschef Marcel Bathis meinte: "Es herrscht nun Erleichterung, dass ein wochenlanger Nervenkrieg sein Ende findet. Trotzdem ist es kein glücklicher Tag, weil es auch um den Verlust von Hunderten Arbeitsplätzen geht." Die seit Jahren defizitäre Zeitung hatte Mitte November Insolvenz angemeldet.

Die Mitarbeiter können vorerst in eine Transfergesellschaft wechseln, die sie bis zu sechs Monate lang bei der Suche nach einer neuen Stelle finanziell abfedern soll. Zuletzt hatte auch der türkische Investor Burak Akbay Interesse an der Zeitungangemeldet. Der Insolvenzverwalter hatte das Angebot aber als zu niedrig eingestuft.

Linksliberales Tradtionsblatt

Die "Rundschau" erschien erstmals am 1. August 1945 unter der Ägide von mehreren Herausgebern, die durchweg dem politisch linken bis kommunistischen Spektrum angehörten. Nach zwölf Jahren NS-Diktatur sollte das Blatt den Lesern den Geist von Freiheit und Parlamentarismus nahebringen. Der große Konkurrent am Frankfurter Zeitungsmarkt, die "Frankfurter Allgemeine", entstand erst nach Gründung der Bundesrepublik.

2003 kam die Zeitung zum ersten Mal in finanzielle Schwierigkeiten, sodass mangels Investor das CDU-geführte Land Hessen sie mit einer Landesbürgschaft stützten musste. Da hatte die "FR" noch rund 1.000 Mitarbeiter. 2004 übernahm die SPD-Medienholding ddvg 90 Prozent der Anteile am Druck- und Verlagshaus.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Wenn das Insolvenzgeld ausgeht - Wie steht es um die Zukunft der Frankfurter Rundschau?

"Sie war einst DIE linksliberale Zeitung" - Frankfurter Rundschau ist insolvent - Beginn eines Zeitungssterbens?

"Die FR hat als überregionale Zeitung in Deutschland keine Chance mehr" - Medienexperte: Auch App und Internet werden die "Frankfurter Rundschau" nicht retten

Printmedien in der Krise - Strukturwandel und Qualitätsverlust bei deutschen Zeitungen

Genau hinsehen statt schwarzmalen - Über das Aus von "Frankfurter Rundschau" und "Financial Times Deutschland" - Kommentar

"Die gedruckten Zeitungen werden sicherlich weiter in eine Krise kommen" - Leiter der Kölner Journalistenschule über Wirtschaftsjournalismus in schwierigen Zeiten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

US-Rückzug aus UN-MenschenrechtsratFalsches Signal - aber konsequent

Der Sitzungssaal des UNO-Menschenrechtsrates in Genf

Mit dem US-Austritt aus dem Menschenrechtsrat geht der Bruch der USA mit der internationalen Gemeinschaft weiter, meint Torsten Teichmann - und sei leider konsequent. Denn es unterstreiche das fehlende Gespür für die entscheidende Rolle der USA in diesen Gremien.

Schiitischer Islam im IrakHeiligtümer, Trauer, Revolution

Schiitische Pilger beten im November 2017 in Kerbela (Irak) - Sie tragen ein Bild des Imam Hussein, eines Enkels Mohammeds, der im 7. Jahrhundert in Kerbela getötet wurde  (AFP / Haidar Mohammed Ali)

Jahrhundertelang wurden die Schiiten von der sunnitischen Mehrheit unterdrückt. Nun werden sie aktiver und erzielen Erfolge, zuletzt bei der Parlamentswahl im Irak. Wie sich die schiitische Welt wandelt, zeigt eine Reise zu ihren heiligen Stätten.

Digitaler NachlassWenn Tote auf Facebook sind

Ein Cursor zeigt auf einem Desktop auf das Feld "Privatsphäre-Einstellungen" in einem Pacebook-Account (imago / Kolvenbach )

In Deutschland stirbt alle drei Minuten ein Facebook-Nutzer ohne vorher entschieden zu haben, was aus dem Account werden soll. Im Sterbefall bekommen Hinterbliebene oft von Anbietern keinen Zugang zu den Profilen in sozialen Netzwerken. Über so einen Fall verhandelt jetzt der Bundesgerichtshof.

Studie zu Helikopter-Eltern Zu viel Fürsorge schadet Kindern

An einer Grundschule in Stuttgart laufen Schüler an einem Schild vorbei, das überfürsorgliche Eltern ermahnt, ihre Kinder alleine weitergehen zu lassen. (picture alliance / dpa / Inga Kjer)

Kinder brauchen die Erfahrung, sich selbst zu bewähren, sagt der Erziehungswissenschaftler Herbert Renz-Polster. Überfürsorgliche "Helikopter-Eltern" wollen ihren Kindern dieses Erlebnis ersparen - doch das könnte unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Mobile BankingWas taugen spezielle Smartphone-Girokonten?

Verschiedene Banking-Apps auf einem Smartphone.  (imago stock&people)

Überweisungen von unterwegs tätigen, im Ausland den Kontostand checken – das versprechen Anbieter mobiler Smartphone-Konten. Doch wer sich bei Bankgeschäften nur auf sein Handy verlässt, trägt auch zusätzliche Risiken.

Auditive Fake NewsWie Kennedy eine Rede nach seinem Tod hielt

US-Präsident John F. Kennedy bei einer Pressekonferenz in Washington am 1. März 1961 (dpa / picture alliance / Arnie Sachs)

Schottische Audio-Tüftler haben Ansprachen von John F. Kennedy in winzige Sound-Einheiten aufgeschlüsselt und neu kombiniert. Daraus entstehen Reden, die nie gehalten wurden. Erzeugt diese Technik künftig vermeintlich neue Quellen und Fake News?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Kommission zu Dublin-Regeln  Staaten sollen mehr Zeit bekommen | mehr

Kulturnachrichten

Svante Pääbo erhält Körber-Preis für Europäische Wissenschaft | mehr

 

| mehr