Kriegsschiffe gen Gibraltar

Streit zwischen Spanien und Großbritannien wird schärfer

Im Hintergrund: der Felsen von Gibraltar - seit 1713 Zankapfel zwischen Spanien und Großbritannien (Stock.XCHNG / Matthias Haeuser)
Im Hintergrund: der Felsen von Gibraltar - seit 1713 Zankapfel zwischen Spanien und Großbritannien (Stock.XCHNG / Matthias Haeuser)

Inmitten wachsender Spannungen zwischen Spanien und Großbritannien um Gibraltar schickt die Royal Navy nun ein Kriegsschiff ins Überseegebiet. Alles Routine, heißt es aus London. Spanische Medien sprechen dagegen von versuchter Einschüchterung.

Der Ton im Streit um das britische Überseegebiet Gibraltar hat sich aufs Neue verschärft. Schon seit Wochen liefern sich die Nato-Partner Großbritannien und Spanien diplomatische Auseinandersetzungen um die knapp sieben Quadratkilometer große Halbinsel.

Hintergrund ist die Schaffung eines künstlichen Riffs, das nach spanischer Darstellung seine Fischereiflotte behindert. Daraufhin verschärfte Spanien die Grenzkontrollen zu Gibraltar, das vor allem vom Tourismus und Glücksspiel lebt.

Ein Sprecher des britischen Premierministers David Cameron nannte die Kontrollen am Montag unverhältnismäßig und politisch motiviert. Spanien will nach eigener Darstellung damit Geldwäsche und Zigarettenschmuggel bekämpfen und in dem Streit mit seinem Nato-Partner nicht zurückweichen.

Das spanische Außenministerium rechtfertigte die umstrittenen Fahrzeugkontrollen an der Grenze zu der Küstenenklave erneut als notwendig und prüft eine Einschaltung internationaler Institutionen. Großbritannien drohte seinerseits mit einer Klage. Beide Länder stellten jedoch klar, dass sie die britische Marineübung nicht als Reaktion auf den schwelenden Konflikt verstehen. Anders sehen das Kommentatoren in spanischen Medien. Sie werteten den Plan, die "HMS Westminster" Gibraltar anlaufen zu lassen, als einschüchternde Maßnahme.

Gerangel seit 1588

Die verschärften Kontrollen haben für Touristen und Einwohner zu langen Wartezeiten geführt. Vertreter Spaniens haben auch eine Einreisegebühr und die Sperrung seines Luftraumes für Flugzeuge auf dem Weg in das Überseegebiet ins Gespräch gebracht. Die EU-Kommission will im September eine Delegation nach Gibraltar schicken. Sie solle prüfen, ob die Grenzkontrollen im Einklang mit EU-Recht stünden, sagte ein Sprecher.

Großbritannien und Spanien waren lange erbitterte Gegner auf den Weltmeeren. So besiegte die britische Marine die Spanische Armada im Jahr 1588 im Ärmelkanal. Spanien trat Gibraltar im Vertrag von Utrecht im Jahr 1713 ab. In einem Referendum im Jahr 2002 lehnten 98 Prozent der Wähler einen Vorschlag ab, nach dem das Gebiet von Spanien und Großbritannien gemeinsam verwaltet worden wäre.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr