Krisensitzung der Verbraucherminister

Mehr Firmen in Pferdefleisch-Skandal verwickelt

Mittlerweile wurde nicht nur in Fertiglasagnen Pferdefleisch gefunden (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Mittlerweile wurde nicht nur in Fertiglasagnen Pferdefleisch gefunden (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Lasagne, Tortelloni, Ravioli - ein Ende des Pferdefleisch-Skandals ist nicht in Sicht. In immer mehr Produkten wurde offenbar nicht deklariertes Pferdefleisch verarbeitet. Am Montag kommen die Verbraucherminister von Bund und Ländern zu einer Sondersitzung zusammen, um über Konsequenzen aus dem Pferdefleischskandal zu beraten.

"Da der Betrugsfall immer größere Dimensionen annimmt, müssen Länder und Bund im engen Schulterschluss schnell und konsequent handeln", erklärten die Vorsitzende der Verbraucherschutzminister-Konferenz, Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich, und Bundesministerin Ilse Aigner.

"Verarbeitetes Fleisch muss endlich gekennzeichnet werden und die Kennzeichnung muss die Aufzucht- und Mastbetriebe genau benennen", forderte Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen, in der "Passauer Neuen Presse". Derzeit müssten Fälle, in denen es keine Gesundheitsgefahr gebe, von Unternehmen nicht gemeldet werden und Behörden dürften sie auch nicht veröffentlichen. Das dürfe so nicht bleiben: "Ross und Reiter müssen genannt werden, sobald Etikettenschwindel betrieben wird", so Künast.

Aigner schrieb in einem Beitrag für die Zeitung "Bild am Sonntag", es werde schwierig sein, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen, zumal das ganze Ausmaß des Skandals noch nicht absehbar sei: "Wenn sich der Verdacht der Ermittler erhärtet, dann haben skrupellose Betrüger bisher unvorstellbaren Etikettenschwindel im ganz großen Stil betrieben." Das strenge Lebensmittelrecht der EU sei nur sinnvoll, wenn die Vorschriften auch konsequent umgesetzt und überwacht würden, so Aigner.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, forderte im Deutschlandfunk bessere Kontrollen. "Man muss das Netz engmaschiger machen, damit Betrug erschwert wird." Zudem sollten die Lebensmittelhersteller stärker für Betrug haften.

Pferdefleisch in Rindergulasch

Gulasch aus Pferdefleisch in einem Laden in Bremen (dpa / Ingo Wagner)Gulasch aus Pferdefleisch in einem Laden in Bremen (dpa / Ingo Wagner)Unterdessen zieht der Pferdefleisch-Skandal weitere Kreise, immer mehr Produkte sind betroffen. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin hatte gestern mitgeteilt, dass in "Rindergulasch 540g Omnimax" Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen worden seien. Bisher waren französische Produzenten im Zentrum der Pferdefleisch-Debatte gewesen.

Die betroffenen Waren der Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG sind nach Angaben des Unternehmens bereits aus dem Sortiment der Händler genommen worden. Die nachgewiesenen Spuren von Pferde-Erbgut könnten "im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter" entstanden sein. "Es handelt sich bei dem Produkt um ein sicheres, in keiner Weise die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigendes Lebensmittel", betonte der brandenburgische Hersteller.

Comigel lieferte 4,5 Millionen Fertiggerichte in 13 europäische Länder

 In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" sollen bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden sein (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)Das Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" soll teilweise Pferdefleisch enthalten haben (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)Von der möglicherweise mit falsch deklariertem Pferdefleisch verunreinigten Lasagne sind rund 179.000 Packungen nach Deutschland geliefert worden. Dies gehe aus einer EU Information hervor, sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums. Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Gestern hatten sich die Vertreter der 27 EU-Staaten in Brüssel darauf verständigt, mit Gentests nach falsch deklariertem Pferdefleisch zu suchen. Die EU-Kommission übernimmt einen Teil der Kosten der Analysen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen. Außerdem wollen die Staaten bei Pferdefleisch nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon fahnden, es war in exportiertem Pferdefleisch aus Großbritannien entdeckt worden war. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später verzehrt werden sollen, nicht zugelassen.

Skandal mit europäischen Dimensionen

Am Mittwoch war erstmals auch in Deutschland nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne nachgewiesen worden. Zuvor waren Täuschungsfälle in Irland, Großbritannien und Frankreich bekannt geworden.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr