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Kritik an Medienpreis für palästinensischen Pfarrer

Antisemitismusvorwurf gegen Mitri Raheb

Der palästinensische Pfarrer Mitri Raheb erhielt 2008 bereits den Aachener Friedenspreis. (picture alliance / dpa/Oliver Berg)
Der palästinensische Pfarrer Mitri Raheb erhielt 2008 bereits den Aachener Friedenspreis. (picture alliance / dpa/Oliver Berg)

Die Jury bezeichnet ihn als "leisen Friedensstifter". Kritiker dagegen sehen in ihm eine Gefahr für den Frieden, seine Worte seien ein Rückfall in jahrhundertealte, judenfeindliche Stereotype. Die Auszeichnung des Pfarrers von Bethlehem, Mitri Raheb, mit dem Deutschen Medienpreis sorgt für Wirbel.

Der Palästinenser Raheb schaffe in Bethlehem Orte der Begegnung, des Austauschs und des Dialogs, begründet die Jury ihre Entscheidung. Der Pfarrer betreibt ein Begegnungszentrum, ein Bildungswerk und ein Gesundheitszentrum und setze sich damit für "die Verständigung von Christen, Moslems und Juden ein." Rahebs Motto: "Wenn man sich selbst nicht lieben kann, kann man den Feind nicht lieben."

Auszeichnung stößt auf Kritik

Die Auszeichnung Rahebs sorgt für Kritik. Grund ist das sogenannte Kairos-Palästina-Dokument, das Raheb mitverfasst hat. Darin rufen palästinensische Kirchenführer zum gewaltlosen Widerstand gegen die israelische Besatzung auf. Die Siedlungspolitik sei "eine Sünde gegen Gott und die Menschlichkeit." Kritiker sehen in dieser Formulierung einen Rückfall in jahrhundertealte, judenfeindliche Stereotype. Die Verheißung Israels an das jüdische Volk werde verschwiegen. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft und der deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit distanzierten sich von Raheb.

Raheb wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von einer Hetzkampagne. Er formuliert den Besitzanspruch der Palästinenser auf das Land mit einem Vergleich: "Würden Sie heute einen DNA-Test machen von König David, von Jesus und von mir. Ich kann ihnen versichern, wir haben viel mehr miteinander zu tun als König David, Jesus und die russischen Immigranten, die jetzt hier importiert werden aus wirtschaftlichen Gründen."

Weitere Preisträger

Neben Raheb werden drei weitere "leise Friedensstifter" ausgezeichnet, "die keine Schlagzeilen in den Medien gemacht haben". Der frühere sowjetische Offizier Stanislaw Petrow hatte Anfang der 80er Jahre einen Raketenfehlalarm richtig erkannt und damit "eine hochgerüstete Welt vor ihrer Zerstörung" bewahrt, heißt es in der Begründung der Jury. Der kongolesische Arzt Denis Mukwege betreut seit Jahren in seiner Klinik Vergewaltigungsopfer. Weitere Preisträgerin ist die Afghanin Sakena Yacoobi, die sich vor allem um die Bildung von Frauen und Mädchen in dem Land kümmert.

Der deutsche Medienpreis wird bereits zum 20. Mal vom Marktforschungsunternehmen Media Control vergeben. Frühere Preisträger sind unter anderem Steffi Graf, Nelson Mandela und Helmut Kohl. Die Laudatio am Abend in Baden-Baden hält Alt-Bundespräsident Roman Herzog.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr