Lärm 2.0 um nichts? Onlinewahlkampf im Saarland

Landtagswahlserie, Teil 12

Von Christian Schütte

Wahlk@mpf im Netz. (AP)
Wahlk@mpf im Netz. (AP)

Obama hat es vorgemacht, da will Saarbrücken nicht hintenan stehen: Wahlkampf wird im Web gemacht, und YouTube ist die neue Fußgängerzone. Für wahlentscheidend halten die Politiker im Saarland das Internet aber nicht.

"Das Saarland - unendliche Chancen. Keine wurde genutzt. Wir schreiben das Jahr 2009. Dies ist der Irrflug des Commander Müller, der dem Saarland vor zehn Jahren einen steilen Steigflug versprach."

Doch Commander Müller in seiner Star-Trek-Uniform ist eingenickt, das Raumschiff außer Kontrolle geraten. Nur einer kennt noch einen Ausweg: Heiko Maas von der SPD:

"Beenden Sie diesen Irrflug. Mit Ihrer Stimme. Am 30. August."

Ein kurzer, aber aufwendig animierter Film, auf der Internet-Plattform Youtube fast 12.000 mal angeklickt. Die SPD inszeniert sich selbstbewusst. Immerhin, in aktuellen Umfragen liegt sie mit 26 Prozent über dem SPD-Bundestrend. Spitzenkandidat Maas, jetzt mit Dreitagebart, hat das Image eines unerfahrenen Milchbubis hinter sich gelassen, präsentiert sich als moderner Macher ganz auf der Höhe der Zeit, ein smarter Kerl mit Stil, der das Saarland retten will. So soll es im Internet rüberkommen. SPD-Sprecher Thorsten Bischof:

"Da hat natürlich das Thema Internet auch seinen Beitrag geleistet, dadurch, dass er greifbar geworden ist für die Leute, nahbar geworden ist, und die Leute gemerkt haben: Der ist nicht abgehoben, mit dem kann man reden, mit dem kann man twittern, mit dem kann man chatten. Das hat in unsere Konzeption reingepasst."

Hat sich die SPD an Barack Obamas Online-Wahlkampf ein Beispiel genommen? Naja, lehnt sich der SPD-Sprecher zurück. Der habe dann doch noch andere Ausmaße gehabt. Immerhin, in der Wahlkampfzentrale hängen Poster von der Internet-Kampagne des heuten US-Präsidenten. Obama - ein Vorbild auch für die Junge Union. Nicht kleckern, lieber gleich klotzen. Der CDU-Nachwuchs will dem Ministerpräsidenten unter die Arme greifen und hat - extra für den Internet-Wahlkampf - in Saarbrücken ein ganzes Ladenlokal bezogen. Laptops auf den Tischen, nebenan ein großer Versammlungsraum. Ein ganzes Heer von Helfern hat hier viel Zeit und Arbeit verbracht. Eine neue Webseite, ein Peter-Müller-Logo. Allein: Ist der Ministerpräsident überhaupt cool genug für das vermeintlich junge Medium?

"Ja, er ist cool genug. Weil er ist als Ministerpräsident cool genug", "

sagt Stefan Funck, stellvertretender Chef der saarländischen Jungen Union.

" "Wir haben die Aufteilung: Jeder macht das, was er am besten kann. Wir als junge Generation können Internet, also machen wir die Internet-Kampagne der CDU."

Der Ministerpräsident selbst twittert nicht, gibt sich traditionell-seriös:

"Das Saarland ist ein Industrieland, war ein Industrieland und soll auch in der Zukunft ein Industrieland sein."

Seine landesväterlichen Videobotschaften auf Youtube - allerdings eher ein Ladenhüter. Manche sind nicht mehr 70, 80 Mal angeklickt. Die Junge Union hat - zumindest in Klickzahlen - mehr Erfolg mit Haudrauf:

"Insgesamt sind wir natürlich eher die Abteilung Attacke. Wie das Uli Hoeneß vielleicht beim FC Bayern ist, ist das die Junge Union hier im Saarland bei der CDU."

Die Junge Union hat ein Online-Spiel ins Netz gestellt, im Stile eines Comics. Ein virtueller Oskar Lafontaine drischt mit einem Knüppel auf SPD-Politiker ein. Die Botschaft: Der Spitzenkandidat der Linken wolle nur aus Rache uns Selbstgefälligkeit zurück an die Macht im Saarland. Solche Polemik im Netz löst bei den Grünen Kopfschütteln aus. Ihr Internet-Auftritt: zurückhaltend-sachlich. Keine Spiele, nicht einmal Videos auf Youtube. Und im zuständigen Büro sitzt Geschäftsführer Markus Tressel allein. Den Trend verschlafen?

"Die sind alle furios gestartet, was das Internet angeht, und dachten, sie könnten hier Obama 2.0 machen. Wir haben im Saarland sehr viele ländliche Bereiche, sehr viele Bereiche, wo ältere Menschen zu Hause sind, die nach wie vor einen geringe Nutzungsquote haben, was das Internet anbelangt. Also im Wahlkampf vor allem auf das Internet zu setzen als Instrument , wäre im Saarland ein Fehler."

Online-Wahlkampf an der Saar - viel und vor allem teuerer Lärm um nichts? In der Tat sei das alles im Jahr 2009 nur bedingt wahlentscheidend, meint auch SPD Sprecher Thorsten Bischof:

"Man kann im Internet keine Wahl gewinnen, aber man kann ohne Internet eine Wahl verlieren."

Noch einmal der SPD-Film: "Wir sind mit unserer Energie am Ende, und die Kohle ist komplett weg!"

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr