Lob für Schweizer Votum über Managergehälter

Auch deutsche Politiker fordern Gehaltsgrenzen

Politiker fordern, dass auch in Deutschland die Manager-Gehälter begrenzt werden (picture alliance / dpa / Josef Horazny)
Politiker fordern, dass auch in Deutschland die Manager-Gehälter begrenzt werden (picture alliance / dpa / Josef Horazny)

In der Schweiz hat sich eine Mehrheit gegen überzogene Millionenvergütungen für Spitzenmanager ausgesprochen. Politiker in Deutschland begrüßen die Entscheidung. Selbst aus der wirtschaftsfreundlichen FDP kommt Zustimmung.

Als Politiker, Bürger und Marktteilnehmer fordere er, dass Führungskräfte und Eigentümer ihrer Verantwortung gerecht werden, erklärte der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner im Handelsblatt. Dazu gehöre, maßzuhalten und auf die Wirkungen zu achten. Provisionen von 80 Millionen Euro bei der Deutschen Bank seien einfach nicht gerechtfertigt. "Grenzen für die Freiheit zieht nicht nur das Gesetz, sondern auch das Verantwortungsgefühl", so Lindner. Damit begrüßt auch die wirtschaftsfreundliche FDP die Entscheidung der Schweizer gegen überzogene Vergütungen für Manager.

Michael Fuchs, Vize-Fraktionschef der Union, bezeichnete das Votum in der Berliner Zeitung als richtungsweisend. "Es ist besser, wenn die Aktionäre entscheiden, als wenn sich der Staat einmischt," so Fuchs. Er könne sich etwas Ähnliches auch für das deutsche Aktienrecht vorstellen. Die Aktionäre seien Miteigentümer ihres Unternehmens und hätten daher kein Interesse, ihm zu schaden.

SPD will Vergütungen gesetzlich begrenzen

Zwei Manager (picture alliance / dpa / IP3 Press / Maxxppp / Vincent Isore)Zwei Manager - wer bestimmt ihr Gehalt? (picture alliance / dpa / IP3 Press / Maxxppp / Vincent Isore)Zustimmung kam auch von SPD-Fraktionsvize Joachim Poß: "Dass sogar ein Land mit liberaler Wirtschaftstradition so abstimmt, macht deutlich, dass das Klima sich wandelt." Die SPD sei allerdings weiter dafür, die Vergütung von Vorständen und die steuerliche Absetzbarkeit von deren Gehältern gesetzlich zu begrenzen. "Viele Aktionäre sind renditegetrieben. Das sind Investoren, Hedgefonds, deren Geschäftsmodell von den perversen Boni bestimmt wird", sagte er zur Begründung.

Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick forderte die schwarz-gelbe Koalition auf, das Signal aus der Schweiz ernst zu nehmen. Deutschland brauche stärkere Regeln gegen Gehaltsexesse, sagte er der WAZ-Gruppe. Ähnlich äußerte sich Linken-Parteichefin Katja Kipping: "Dass ein DAX-Vorstand 54 mal so viel verdient wie ein Angestellter, ist sachlich durch nichts als Gier zu begründen", kritisierte sie.

Gesetz gegen Gier und Abzocke

Die Schweizer hatten am Sonntag einem Volksbegehren gegen überzogene Managervergütungen mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Initiative zielt darauf ab, Exzesse bei Bonus-Zahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden. Über die Höhe von Managervergütungen sollen die Aktionäre jährlich entscheiden können.

Mehr als zwei Drittel unterstützten die Initiative, sie erhielt 67,9 Prozent Zustimmung. Kein einziger der 26 Kantone stimmte dagegen. So viel Zuspruch gab es zuletzt vor 20 Jahren bei der Abstimmung für einen arbeitsfreien Bundesfeiertag.

Reaktion aus der Schweiz

Andreas Gross aus der sozialdemokratischen Fraktion und Mitglied im Nationalrat in Bern, erklärt den Ausgang des Votums im Deutschlandradio so: "Es ist ein Empörungsschrei der Mehrheit der Leute, die normal verdient, gegenüber jenen Managern, die sich, wie diese Leute den Eindruck haben, selbst bedient haben im Reichtum einer Firma, eines Unternehmens", so Gross im Deutschlandfunk. "Es gibt den Aktionären jetzt das Recht, diese Löhne zu kontrollieren." Gross hofft auf eine Signalwirkung für Europa und begrüßt den Zuspruch aus Deutschland sowie den EU-Beschluss zur Boni Deckelung letzte Woche.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr