Lob und Anerkennung für Richard von Weizsäcker

Altbundespräsident wird heute 90 Jahre

Richard von Weizsäcker wird 90. (AP Archiv)
Richard von Weizsäcker wird 90. (AP Archiv)

"Wenn man einen idealen Bundespräsidenten synthetisch herstellen könnte, dann würde kein anderer dabei herauskommen als Richard von Weizsäcker", schrieb Marion Gräfin Dönhoff einmal. Heute wird der Fürsprecher der Ostbürger und unbequeme Mahner 90 Jahre alt.

<p>Richard von Weizsäcker schrieb im doppelten Sinn Geschichte. Als erster Präsident des wiedervereinigten Deutschlands machte er sich zum Fürsprecher der Ostbürger und wurde so zum Staatsoberhaupt aller Deutschen. Als unbequemer Mahner appellierte er, sich der furchtbaren Last der Hitlerdiktatur bewusst zu bleiben und avancierte zur hoch geschätzten deutschen Gewissensinstanz. <br /><br />Nach dem Krieg sei sein Hauptmotiv für politisches Handeln gewesen, "mit den ehemaligen Kriegsgegnern im Osten zu einer Verständigung zu kommen", <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="145212" text="sagte Richard von Weizsäcker im Deutschlandradio Kultur" alternative_text="sagte Richard von Weizsäcker im Deutschlandradio Kultur" />.<br /><br />Ex-DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière würdigte das Engagement des Altbundespräsidenten für die deutsche Einheit. Er habe der Präsident aller Deutschen sein wollen, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="163191" text="sagte de Maizière im Deutschlandradio Kultur" alternative_text="sagte de Maizière im Deutschlandradio Kultur" />.<br /><br />Von Weizsäcker habe das Bild eines liberalen, aufgeklärten Deutschlands am besten vorgestellt, erklärte der Weizsäcker-Biograf und Herausgeber des "Tagesspiegels", <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="68416" text="Herman Rudolph, im Deutschlandfunk." alternative_text="Herman Rudolph, im Deutschlandfunk." /> Die Bürgerschaft des Landes habe es dem ehemaligen Bundespräsidenten mit "großer Anhänglichkeit" und "einer gewissen Bewunderung" gedankt.<br /><br /></p><p><strong> Auf Umwegen in die Politik </strong></p><p> Anders als viele war er als Seiteneinsteiger in die Politik gekommen. "Für mich war die Mitarbeit als Laie der evangelischen Kirche der Hauptanstoß, mich an politischen Fragen aktiv zu beteiligen", erklärte von Weizsäcker sein politisches Engagement. <br /><br />In den 60er-Jahren war er Präsident des Evangelischen Kirchentages, setzte sich ein für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Versöhnung war sein Leitmotiv, Politik und Moral sein Grundsatz. <a class="link_audio_portal" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/04/15/dlf_20100415_0750_14178898.mp3" title="Podium "Richard Weizsäcker wird 90 (MP3-Audio)"&gt;Podium "Richard Weizsäcker wird 90 (MP3-Audio)&lt;/a><br /><br />Lange lehnte das CDU-Mitglied eine Kandidatur für den Bundestag ab, 1969 ließ er sich dann doch aufstellen - und galt als Minderheit in seiner Fraktion. <br /><br />1981 wählten ihn die West-Berliner zum Regierenden Bürgermeister. <br /><br /><papaya:media src="6fcfc66718ab5f1c402915e6d55630d3" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Von Weizsäcker bei seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes" popup="yes" /> </p><p><strong> Bundespräsident aller Deutschen </strong></p><p> 1984 wurde von Weizsäcker Bundespräsident. Seine Amtszeit als sechster Bundespräsident dauerte bis 1994. Auch in diesem Amt scheute sich der am 15. April 1920 in Stuttgart geborene Schwabe nicht, unliebsame Wahrheiten zu sagen. Seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, die er am 8. Mai 1985 im Bundestag hielt, war eine solche Wahrheitsrede, mit der er Geschichte schrieb:<br /><br />&quot;Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.&quot;<br /><br />Offiziell begangen wird sein Geburtstag am 22. April. Dann lädt Bundespräsident Horst Köhler zu einem Abendessen zu Ehren Weizsäckers ins Schloss Bellevue ein.<br /><br /></p><p><strong> Biografien mit kritischer Distanz </strong></p><p> Im Vorfeld dieses Geburtstages waren zwei Lebensbeschreibungen veröffentlicht worden: Die eine von Gunter Hofmann, der lange Jahre Chefkorrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit" war, die andere von Hermann Rudolph, dem Herausgeber des "Berliner Tagesspiegels". <br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="194045" text="Rezension der Biografien im Deutschlandfunk" alternative_text="Rezension der Biografien im Deutschlandfunk" /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="138611" text="Rezension der Biografien im Deutschlandradio Kultur" alternative_text="Rezension der Biografien im Deutschlandradio Kultur" /> <br /><br />Beide Biografien beleuchten das Leben und Schaffen von Weizsäckers aus einer kritischen Distanz. Erwähnt werden auch umstrittene Phasen, etwa als Weizsäcker als junger Jurist und Noch-Student seinen Vater in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen verteidigte.<br /><br />Die Hörer des Deutschlandradio Kultur äußerten sich in der "Debatte" um die Frage, ob Richard von Weizäcker zum Vorbild aller Deutschen taugt, zum Teil zustimmend, zum Teil ablehnend.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr